Bautagebuch

Eintrag 24, Kalenderwoche 44/ 2018

Wie das auch in anderen vergleichbaren Fällen gerne geschieht: Sobald man durch Untersuchungen Daten und Vorfindliches genauer untersucht, stößt man auch auf unangenehme Fakten. So sind auch wir durch die Begutachtung möglicher Weise vorhandener Schad- und Gefahrenstoffe in der Kirche hellhörig geworden. Die entlastende Nachricht war: In den bisherigen Anstrichen und verwendeten Baustoffen hat sich kein Asbest nachweisen lassen. Aber beim verwendeten Holzschutz in der nachträglich eingezogenen Decke aus den 1960er Jahren und vor allem beim verwendeten Dämmmaterial in der Warmluftheizung wurde uns Handlungsbedarf signalisiert. Das erste Problemfeld löst sich dadurch, dass die Zwischendecke nach aktueller Planung bei der anstehenden Renovierung des Kirchenraums entfernt werden soll. Das mit heute verbotenen Insektiziden massiv verseuchte Holz muss eben nur sensibel ausgebaut und fachgerecht entsorgt werden.

Bei der zweiten Problematik ist allerdings sofort Handlungsbedarf gegeben: Die Wärme in unserer Kirche entsteht durch einen Gasbrenner, der die nötige Warmluft erzeugt. Diese wird vom Keller unter der Sakristei in einem Kriechgang bis in den Altarraum geführt und dort durch ein Gitter in den Kirchenraum eingeblasen. Das vorhandene Gebläse sorgt dafür, dass in der Kirche eine thermische Zirkulation entsteht. Die warme Luft steigt entsprechend der physikalischen Gesetze auf. Die Kaltluft wird am anderen Ende der Kirche, an der Rückwand rechts und links neben dem Hauptausgang wieder angesaugt. Gleich einem „Y“ münden die beiden Kaltluftschächte unter dem Kirchenboden in einen gemeinsamen Kriechgang. Er führt unterhalb des Mittelgangs durch das ganze Kirchenschiff und biegt danach in Richtung Sakristei und dem darunter liegenden Heizkeller ab.

Beide Kanalsysteme wurden an allen vier Seiten zur Wärme- und Schalldämmung mit künstlicher Mineralfaser beklebt, die an der Oberseite kaschiert ist. An den Stellen, wo die Dämmplatten aneinanderstoßen, sind Klebestreifen zur Abdichtung angebracht worden. Diese Klebeverbindungen sind seit geraumer Zeit brüchig, sodass bei der Raumluftmessung im Rahmen des Schadstoffgutachtens kleinste Partikel von künstlicher Mineralfaser festgestellt wurden. Diese sind nur unter dem Mikroskop sichtbar zu machen. Sie sind so klein, dass sie lungengängig sind und von den Bronchen nicht verschleimt werden können. Es droht also eine Gesundheitsbeeinträchtigung für alle, die sich in der Kirche bei laufender Heizung aufhalten. Der Gutachter riet in seiner Stellungnahme daher dringend davon ab, die Heizung in diesem Zustand weiter zu betreiben.

Wir haben im Kirchengemeinderat sofort den Handlungsbedarf gesehen und mit den Fachleuten, die uns auch für die Planung der Kirchenrenovierung zur Seite stehen, eine vorgezogene Sanierung der Heizung beschlossen. Wir sind bis zum Beginn der Renovierung mindestens noch einen Winter auf die Nutzung der Kirche angewiesen. Die Kanäle sind zudem in der künftigen Gestaltung als Versorgungsschächte für die Elektroinstallation eingeplant. Es musste also schnell gehandelt werden. Zur Umsetzung zählte die Suche nach Firmen, die zeitnah die Sanierung durchführen könnten. Bis nach den Sommerferien waren nach 14 gestellten Anfragen immerhin zwei Firmen bereit, ein Angebot zu unterbreiten. Dann musste aufgrund der Kostenschätzung aus den Angeboten der Bauantrag erstellt werden. Dieser ist nun in Bearbeitung. Und wieder einmal spüre ich die Abhängigkeit von der Arbeitsweise verschiedener Genehmigungsinstanzen. Die Maßnahme umfasst einen Kostenumfang von 38.000,- €, die nicht in der bisherigen Kostenaufstellung für die Kirchenrenovierung enthalten sind. Erst nach erteilter Genehmigung dürfen wir die Firma endgültig beauftragen, die ihrerseits vermutlich wiederum ca. eine Woche Vorlauf braucht.

Nun, da die Temperaturen gefallen sind, wird man die fehlende Heizung bei Gottesdiensten deutlich spüren. Wir müssen Sie leider bitten, entweder gut gekleidet in die Veranstaltungen der nächsten Zeit zu kommen, oder flexibel zu reagieren, wenn wir einzelne Gottesdienste kurzfristig in das Wichernhaus verlegen. Leider ließ sich die Maßnahme nicht so beschleunigen, dass wir solche Notmaßnahmen ausschließen konnten. Ich bitte Sie im Namen der Kirchengemeinde herzlich um Ihr Verständnis.

Eintrag 23, Kalenderwoche 42/ 2018

Der nächste Schritt ist geschafft: Am 10. Oktober 2018 habe ich den durch das Architekturbüro fertig ausgearbeiteten Bauantrag unterschrieben. Er wurde am „Kerwe-Montag“ in sechsfacher Ausfertigung per Kurier von Stuttgart aus verschickt. Jedes Exemplar umfasst zwei große DIN-A4-Ordner. Dadurch ergibt sich eine ganze Kiste, bestehend aus bisherigen Untersuchungsberichten und den Maßnahmenbeschreibungen der Architekten und Fachplaner. Dazu gehören die entsprechenden Planansichten innen und außen, die Stellungnahme der Restauratoren, der Nachweis für die geforderten Parkplätze, ein Lärmschutz- und ein Brandschutzgutachten sowie die ausgefüllten Antragsformulare selbst.

Als wir zur Durchsicht der Unterlagen die einzelnen Bestandteile des Bauantrags vorab per Mail zugeschickt bekommen haben, wollte ich mir zunächst alles ausdrucken. Ich habe das Vorhaben dann aber schnell aufgegeben. Nicht alles kann ich als Halbwissender in diesem Metier beurteilen. Und nur ein Bruchteil ist für mich wirklich relevant. Aber natürlich habe ich mit aus Interesse das Inhaltsverzeichnis angeschaut und die Maßnahmenbeschreibungen durchgelesen. Vor allem spannend – weil nach wie vor umstritten – war die ausgearbeitete Darstellung, wie wir mit den denkmalrechtlichen Bedenken umgehen möchten. Wie bereits berichtet, wird von dieser Fachbehörde nach wie vor beanstandet, dass sich der neue Anbau zu mächtig vor die alte Seitenansicht der Kirche schiebt. Auch der durch Rampe und Vorplatz künftig optisch verdeckte historische Sockel der Kirche bleibt ein Stein des Anstoßes. Letztlich muss jetzt baurechtlich entschieden werden, ob der Kritik seitens der Denkmalpflege Recht gegeben wird. Aber wir haben auf jeden Fall durch historische und aktuelle Ansichten des Kirchenvorplatzes im Antrag dokumentiert, dass die Seitenansicht der Christuskirche aufgrund der engen Bebauung drum herum zu keiner Zeit frei wahrnehmbar war. Warum sollte sie das nun plötzlich künftig nötig sein?

Im Sommer habe ich mir die Mühe gemacht, durch Sandhausen zu radeln und aus allen Himmelsrichtungen die Kirche zu fotografieren. Überall dort, wo sich im öffentlichen Straßenraum der Blick auf dieses markante Gebäude öffnet. Das ist zum Beispiel vom alten Friedhof aus möglich, von der Heidelberger Straße aus, von der Einfahrt zu Aldi und dm aus oder seitens der Herchheimer Straße durch die Gärten. Die Aufnahmen belegen: Von keiner Warte aus wäre der neue Anbau zu sehen, weil die Bebauung der Nachbargrundstücke vom Boden her so viel von der Kirchenfassade zustellen, dass noch nicht einmal der First der künftig geplanten Ständerkonstruktion zu sehen wäre. Allein aus einem sehr spitzen Winkel von Südosten her aus der Kirchstraße wird man künftig hinter den Platanen entlang des Schulhofes der Pestalozzischule einen Teil des Gebäudes sehen können. Sonst muss man direkt davorstehen, um überhaupt neben der historischen Fassade irgendetwas vom geplanten Neubau betrachten zu können. Wir sind der Meinung, dass damit die fachlichen Bedenken der unteren Denkmalbehörde zu vernachlässigen sind. Wir sind gespannt, welche Entscheidung die Baurechtsbehörde im Landratsamt in diesem Streitpunkt treffen wird. Jedoch ist aus meiner Sicht die Argumentation im Bauantrag gut durchdacht und mit Bilddokumenten belegt. Mehr können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht tun.

Die Baurechtsbehörde sollte innerhalb von drei Monaten zu einer Entscheidung kommen. Das ist die gesetzliche Vorgabe. Uns wurde jedoch bereits signalisiert, dass es wegen großer Arbeitsbelastung in den Amtsstuben zu einer zeitlichen Verzögerung kommen kann. Wir können also vermutlich erst im Februar mit einer Antwort aus dem Landratsamt rechnen. So lange wird nun auch der weitere Planungsprozess ruhen. Weil eine Genehmigung des bisherigen Konzeptes wegen der denkmalrechtlichen Einwände unklar ist, wurde seitens des EOK ein Planungstop verhängt. Sie dürfen uns also die Daumen drücken und für unsere Sache beten. Wir sind gespannt, wie es ausgeht.

Eintrag 22, Kalenderwoche 41/ 2018

Als ich noch vor der Sommerpause mit der Leiterin des Verwaltungs- und Serviceamtes in Meckesheim zur Absprache der Beantragung der kirchlichen Genehmigung beim Oberkirchenrat telefonierte, beglückwünschte sie uns als Gemeinde dazu, dass wir im Planungsverfahren schon so weit seien. Und sie schob die Einschätzung nach: „Heute würdet Ihr dieses umfassende Bauprojekt gar nicht mehr genehmigt kriegen.“ Etwas verunsichert fragte ich nach den Hintergründen ihrer Vermutung und hatte dabei zunächst unsere eigene finanzielle Lage als Gemeinde oder das Konzept der Architekten im Verdacht. Ihre Antwort ging jedoch in eine andere Richtung: Aufgrund des laufenden Liegenschaftsprojektes der Landeskirche seien die Mittel aus ihren eigenen Bauprogrammen nicht ausreichend, um die zahlreich gestiegenen Bauvorhaben aus den Gemeinden mittelfristig abdecken zu können.

Zum aktuellen Liegenschaftsprojekt der Landeskirche in aller Kürze nur so viel: Der Gebäudebestand der evangelischen Kirchengemeinden in Baden erzeugt enorme Kosten und ist vielerorts ein Grund dafür, dass die Haushalte nicht mehr ausgeglichen werden können und die Gemeinden ins Haushaltssicherungsverfahren rutschen. So ist es ja auch uns in Sandhausen schon früh ergangen. Viele kirchliche Gebäude sind in Zeiten nach dem zweiten Weltkrieg entworfen und gebaut worden, in denen nicht der jeweils vorherrschende Bedarf, sondern die Hoffnung auf Zuwachs maßgebender Gestaltungsfaktor war. Bauen und Heizen waren erschwinglich. Die Mitgliederzahlen weitgehend stabil oder mancherorts sogar steigend. Die Abschreibung von Gebäuden, ihr natürlicher Abnutzungs- und Alterungsprozess, veränderte Nutzungsbedürfnisse oder steigende Energiekosten wurden angesichts guter Haushaltslagen lange Zeit völlig vernachlässigt. So gab es bisher auch keinen Masterplan im Oberkirchenrat selbst, in dem der Gebäudebestand im Gesamten erfasst und aufgrund dessen der langfristige Bedarf an Unterhalt und Erhaltung beziffert hätte werden können.

Das will man mit dem aktuellen Liegenschaftsprojekt nun ändern: In allen Bezirken der Landeskirche von Wertheim bis zum Hochrhein werden nun die kirchlichen Gebäude von einer externen Firma vor Ort besichtigt und bezüglich ihrer Größe, ihrer Nutzungsintensität und ihres baulichen Zustands erfasst. Bei den bisher ausgewerteten Dekanaten wurde deutlich, dass es vielerorts sehr große Gebäude mit einer völlig unwirtschaftlichen Auslastung gibt. Darum arbeitet das zuständige Referat der Landeskirche bereits an einem Beratungskonzept, wie Kirchengemeinden ihre Flächennutzung optimieren, Fremdmittel durch Kooperationen oder Vermietungen der Räume akquirieren oder Flächen durch Neubau reduzieren können. Wir haben diese letzte Option zum Glück bereits gewählt und die Umsetzung schon weit vorangetrieben, bevor das Liegenschaftsprojekt in unserem Kirchenbezirk angekommen ist. Im Sommer wurden nun auch unsere bestehenden Gebäude erfasst. Die Auswertung unseres Kirchenbezirks läuft. Doch uns in Sandhausen wird dieses Projekt gar nicht mehr erfassen, weil wir unsere Hausaufgaben bereits gemacht haben und mit unserem Flächenplan für das neue Gemeindehaus sogar unterhalb der Richtwerte der Landeskirche liegen werden.

Doch selbst die Gemeinden, die jetzt auf den Zug aufspringen und ihren Gebäudebestand verkleinern wollen, indem sie neu bauen, werden sich gedulden müssen: Obwohl die Empfehlung auch aus dem Bauamt des Oberkirchenrates dahin geht, alte Immobilien abzustoßen und neue energieschonende Räume für die Gemeindearbeit zu schaffen, lässt sich das mangels vorhandener Mittel in den Bauprogrammen nur Stück für Stück umsetzen.

Wir dürfen also tatsächlich froh sein, dass wir die Mittel bereits bewilligt bekommen haben und unser Konzept für die zukünftige Gemeindearbeit in Sandhausen steht. Jetzt müssen wir nur noch auf die gesetzliche Genehmigung hoffen. Dann können wir unser Gebäudemanagement final abschließen und damit viele finanziellen Sorgen auf lange Sicht ad Acta legen.

Eintrag 21, Kalenderwoche 40/ 2018

Vergangene Woche habe ich über die Genehmigung und den Finanzierungsplan unseres großen Bauvorhabens berichtet. Die erfreuliche Botschaft, dass wir den Bau von Seiten der kirchlichen Aufsichtsgremien und der Hauptkostenträger (Landeskirche und Evangelische Stiftung Pflege Schönau) wie bisher entwickelt und geplant durchführen dürfen, geschah aber natürlich unter bestimmten Auflagen. Man kennt das ja: Jeder Vertrag regelt einen nicht ganz unwesentlichen Teil der komplexen Sachlage im Kleingedruckten. Auch wir bekommen die Zusagen nur unter der Voraussetzung, dass wir uns auch künftig an die Spielregeln halten. In unserer Sorgfaltspflicht liegen folgende Bereiche:

  1. Wir werden verpflichtet, mit der Evangelischen Stiftung Pflege Schönau (ESPS) die Bauherrenrolle genauer auszuhandeln und schriftlich zu fixieren. Bisher haben die Verantwortlichen der ESPS uns bei der inhaltlichen Planung überwiegend freie Hand gelassen. Im nächsten Planungsabschnitt steigt jedoch die Verantwortung, den Finanzrahmen einzuhalten. Daher ist es wichtig, sich untereinander abzustimmen und mit vertraglichen Regelungen künftige Interessenskonflikte möglichst schon im Vorfeld zu erkennen und auszuräumen.
  2. Die in der baufachlichen Stellungnahme genannten Auflagen sind zu beachten. Darin wird uns aufgetragen, die Details in der liturgischen Gestaltung der Taufszene zu klären. Konkret: Wir sollen als Gemeinde bei der Suche nach einer stimmigen und festen Platzierung des historischen Taufsteins darstellen, wie wir künftig unsere Taufen feiern.
  3. Im Falle bisher nur grob einzuschätzender Kosten oder bei einer möglichen künftigen Kostensteigerung behält sich der Oberkirchenrat den Widerruf der Genehmigung vor.
  4. Der Widerrufsvorbehalt gilt auch für den Fall, dass wir nachträglich Drittmittel (z.B. Beihilfen aus Mitteln der Denkmalpflege) gewährt bekommen. In dem Fall kann der Finanzierungsplan angepasst werden. Die bewilligten Mittel aus den Bauprogrammen der Landeskirche müssen dann entweder zurückgezahlt werden, oder wir werden verpflichtet, die erhaltenen Drittmittel zur Tilgung der aufgenommenen Darlehen zu verwenden.
  5. Auch die weiteren Planungsschritte müssen eng mit der Abteilung Bau, Kunst und Umwelt im Oberkirchenrat abgestimmt werden.
  6. Der genehmigte Kostenrahmen ist von der Kirchengemeinde unbedingt einzuhalten. Eine Nachfinanzierung aus Mitteln der landeskirchlichen Bauprogramme wird ausgeschlossen. Sollten die Kosten durch außergewöhnliche Umstände nicht eingehalten werden können, müssen wir dem Oberkirchenrat und der ESPS als den beiden Hauptkostenträgern unverzüglich Meldung machen. Dabei sind die Gründe, die zu der Kostenerhöhung geführt haben, anzugeben und vom Architekten erläutern zu lassen. Für die Aufbringung der fehlenden Mittel sind wir in so einem Fall schuldig, einen Deckungsvorschlag zu unterbreiten. Zudem müssen eventuelle Kostenerhöhungen durch Einsparungen an anderer Stelle ausgeglichen werden.
  7. Sollten wir von der bisher eingereichten Planung abweichen, müssen wir eine erneute Genehmigung einholen.
  8. Nach Abschluss des Projektes obliegt es uns als Gemeinde, eine Gesamtkostenabrechnung vorzulegen.
  9. Auch auf den hypothetischen Fall wird hingewiesen: Wenn wir das Gebäude irgendwann veräußern sollten, sind alle Darlehensbestandteile und Zuschüsse aus landeskirchlichen Bauprogrammen anteilig zurück zu zahlen.
  10. Mit dem Bauvorhaben darf vor Übersendung der Beschlussfassung durch den Kirchengemeinderat und der Baufreigabebescheinigung des Oberkirchenrats nicht begonnen werden. Die Baufreigabe ist zu erwarten, wenn 80% der Ausschreibungen abgeschlossen sind. (Davor steht ja auch noch die gesetzliche Baugenehmigung aus.)

Also Sie sehen: Auch in diesem Fall ist der Pflichtenkanon im Kleingedruckten deutlich umfangreicher, als die erfreuliche Botschaft der Genehmigungszusage. Aber beides gehört eben zusammen.

 

Eintrag 20, Kalenderwoche 39/ 2018

Trotz der langen Sommerpause wurde es am Ende doch wieder eng – oder gerade wegen der Sommerpause? Laut unserem internen Zeitplan sollte die baufachliche Genehmigung samt Finanzierungsvorschlag bis zu unserer ersten Kirchengemeinderatssitzung nach den Ferien vorliegen. Am Tag der Sitzung, vom Leiter des Bauamtes im Oberkirchenrat in der Mittagspause abschließend ratifiziert, kam die erlösende Mail vorab mit dem eingescannten Dokument. Auch wenn das Original erst über den Dienstweg – sprich über das Dekanat in Wiesloch – noch einige Tage auf sich warten ließ, waren wir trotzdem handlungsfähig: Am 18.09. hat der Kirchengemeinderat die Durchführung des komplexen Bauvorhabens in der bis dahin entwickelten Planung beschlossen und den Finanzierungsvorschlag der Landeskirche gebilligt. Zur Aufteilung der Kosten heißt es im Genehmigungsschreiben der Landeskirche:

„Die Abteilung Bau, Kunst und Umwelt hat die vorgelegten Unterlagen baufachlich geprüft und beziffert die voraussichtlichen Gesamtkosten mit 6.028.238,56 €. Hiervon entfällt auf die Evangelische Stiftung Pflege Schönau (ESPS) aufgrund der bestehenden Baulast der ESPS für die Kirche in Sandhausen ein Kostenanteil in Höhe von 2.019.921,10 €. […] Der Kirchengemeindliche Kostenanteil beträgt 4.008.317,46 €. […] Die förderfähigen Kosten betragen […] 3.921.393,91 €.“ Zudem wird uns ein Zuschuss auf Erstausstattung in Höhe von 138.900,00 € gewährt.

Entsprechend der festgestellten Kosten wird im Bescheid weiterhin folgender Finanzierungsplan aufgestellt:

Kostenvolumen:                                                                                           6.028.238,56 €

Kostenanteil ESPS:                                                                                      2.019.921,10 €

(hiervon hat die ESPS bereits 30.468,28 € für Wettbewerbskosten bezahlt)

Landeskirchliche Baubeihilfe:

  • 50% der förderfähigen Kosten 960.700,00 €
  • Zuschuss Erstausstattung    900,00 €                        2.099.600,00 €

Darlehen aus Mitteln des Bauprogramms:

30% der förderfähigen Kosten                                                                              1.176.400,00 €

Eigenmittel der Kirchengemeinde:                                                       732.317,46 €

zusammen:                                                                                                      6.028.238,56 €

Das gewährte Darlehen wird durch die Kirchliche Kapitalienverwaltungsanstalt in Karlsruhe bereitgestellt. Die Verzinsung erfolgt mit 2% pro Jahr. Der Tilgungssatz liegt bei 4%.

Wieder sind mit der kirchlichen Genehmigung und dem Beschluss zur Durchführung durch den KGR auf dem Weg zum neuen Gemeindehaus zwei wichtige Schritte geschafft.

 

Eintrag 19, Kalenderwoche 32/ 2018

Am 1. August war es endlich soweit: Ich konnte den vollständigen „Antrag auf kirchenaufsichtliche Genehmigung und Mitfinanzierung“ samt umfangreiche Anlagen eigenhändig an die Sachbearbeiterin im Verwaltungs- und Serviceamt in Meckesheim übergeben. In den Absprachen darüber, wie schnell unser Antrag bearbeitet werden könne, konnte ich den Stolz und die Erleichterung über das bereits erreichte nicht ganz verbergen. Es ist wieder ein kleiner Meilenstein geschafft, der uns dem Ziel näherbringt.

Nachdem das umfangreiche Zahlenwerk von der Projektsteuerung nun eingehend geprüft und gewissenhaft den jeweiligen verantwortlichen Kostenträgern zugeordnet ist, möchte ich hier an dieser Stelle mal die einzelnen Summen veröffentlichen:

  • Die bis jetzt geplante Gesamtmaßnahme umfasst eine Bausumme von insgesamt 6.028.238,56 €.
  • Auf die Kirchenrenovierung allein entfallen Kosten von 2.078.767,73 € (100%). Davon wird die Evangelische Stiftung Pflege Schönau im Rahmen ihrer historisch bedingten Baulast 1.764.118,90 € (85%) übernehmen. Unser Anteil als Gemeinde ist mit 314.648,82 € (15%) dahingehend vergleichsweise gering.
  • Dafür müssen wir als Gemeinde das Gemeindehaus weitgehend selbst stemmen. Das ist mit 398.752,50 € (100%) veranschlagt, wovon wir 3.351.078,31 € (98,60%) selbst zu tragen haben. Die Evangelische Stiftung Pflege Schönau hilft uns hier nur zu einem geringen Prozentsatz (1,40%), was aber immerhin auch noch 47.674,19 € ausmacht.
  • Den Parkplatz auf der unteren Ebene hinter der Kirche, zugänglich von der Johann-Nikolaus-Kolb-Straße aus, haben wir als Gemeinde ebenfalls allein zu tragen. Die Gestaltung der Außenanlage in diesem Areal ist mit 277.051,59 € veranschlagt.
  • Anders sieht es wieder bei den im Zuge der Baumaßnahme sinnvoller Weise mit zu erledigenden Reparaturen an der Außenfassade der Kirche. Hier sind insgesamt 213.805,27 € (100%) geplant, die mit 196.700,85 € (92%) auf die Evangelische Stiftung Pflege Schönau verfallen. Wir als Gemeinde müssen in dem Bereich lediglich den historischen Fronanteil von 8% leisten, der mit 17.104,42 € zu Buche schlägt.
  • Der letzte Kostenblock betrifft die Prinzipalien (Altar, Rednerpult, Taufstelle, Kerzenleuchter & Altarkreuz). Ihre Anschaffung wird auf insgesamt 861,47 € (100%) geschätzt. Hier haben wir als Gemeinde mit ca. 55% den Löwenanteil zu tragen, was 33.284,90 € ausmacht. Die Evangelische Stiftung Pflege Schönau unterstützt uns in dem Bereich mit zusätzlichen 26.576,57 € (ca. 44%).
  • Der gesamte Eigenanteil der Kirchengemeinde liegt demnach bei 993.168,05 € (100%). Diese Kosten werden – sollten wir die zu erwartende Bewilligung erhalten – hälftig von der Landeskirche getragen. Sie wird uns 1.996.584,03 € (50%) an Baubeihilfe zuschießen. Im Finanzierungsplan sind an Eigenmittel von der Kirchengemeinde 798.633,61 € (20%) zu erbringen. Dieses Geld ist vorhanden durch die positiv abgeschlossenen Vermarktungen von Pfarrhaus und Louise-Scheppler-Haus. Um die restliche Lücke zu schließen, werden wir ein zinsgünstiges Darlehen von der Landeskirche in Höhe von 1.197.950,42 € (30%) erhalten, das über die Folgejahre langsam aber stetig aus den vorhandenen Haushaltsmitteln getilgt werden muss.
  • Mit der segensreichen Unterstützung durch die Evangelische Stiftung Pflege Schönau in Höhe von insgesamt 2.035.070,51 € (34% der gesamten Bausumme) und der Baubeihilfe der Badischen Landeskirche in Höhe von 1.996.584,03 € (33% der gesamten Bausumme) fließt im Falle der Verwirklichung in das geplante Kirchenzentrum an der Christuskirche an kirchlichen Mitteln von außerhalb eine Gesamtsumme von 4.031.654,54 € (67% der gesamten Bausumme).

Sobald wir die kirchenaufsichtliche Genehmigung bekommen – womit in spätestens vier Wochen zu rechnen ist, werden die Mittel der Landeskirche auch bereits ausbezahlt. Damit werden wir für die bereits angefallenen Planungskosten und für die ersten Bauabschnitte liquide sein.

Eintrag 18, Kalenderwoche 31/ 2018

Die Tage ziehen ins Land – und ich spüre meine Ungeduld. Sie ist ein alter Bekannter. In meinem Leben spielt die Ungeduld eine große Rolle. Auf der einen Seite ist sie ein wertvoller Motor. Auf der anderen Seite ist sie jedoch ein zusätzlicher Stressfaktor. Vor allem in den Situationen, in denen ich abhängig bin vom Fortgang der Dinge, ohne sie selbst beschleunigen zu können. Oder wenn mich die Sorge umtreibt, dass sich aufgrund der zeitlichen Verzögerung die Dinge ungünstiger gestalten. Meist ist die Sorge zwar unbegründet. Aber ich habe Drängendes eben gerne vom Tisch – vor allem vor dem Urlaub, in dem ich nicht dauernd dran denken möchte, was jetzt aufgrund meiner Auszeit möglicher Weise im Fortgang behindert wird.

Die Sommertage sind im Bereich Bauvorhaben vor allem durch die Vorbereitung der Genehmigungsanträge geprägt. Da heißt es warten und Geduld haben, bis alle Posten soweit aufbereitet sind, dass wir endlich den Antrag für die kirchenleitende Genehmigung stellen können. Und da ist mein Part nun mal der kleinste. Was gehört da alles dazu?

1. Als Grundlage des Antrags für die kirchenleitende Genehmigung dient die Maßnahmenbeschreibung der Architekten. Darin ist in groben Zügen verbal ausgeführt, welchen Anforderungen und Ideen das Konzept folgt. Dann kommen die Pläne, die bis dahin in der Entwurfsplanung erstellt wurden. Und zuletzt: Die Darstellung der zu erwartenden Kosten – jeweils nach Kostengruppen getrennt und auf die einzelnen verschiedenen Bauabschnitte aufgeteilt. In Unserem Fall sind das die Innenrenovierung der Kirche, nötige Reparaturen im Außenbereich der Kirche, der Neubau des Gemeindehauses, die Einrichtung des Außengeländes mit Parkplatz auf der unteren Ebene mit Zufahrt von der Johann-Nikolaus-Kolb-Straße und die Neugestaltung der Prinzipalien (Altar, Rednerpult, Taufstein, Kreuz und Osterleuchter).
Dieses Paket an Unterlagen umfasst 31 Seiten, ausgedruckt in DIN A3 und geheftet. Für die unterschiedlichen Stellen, die der interne Bauantrag durchlaufen muss, gibt es von der Maßnahmenbeschreibung 4 Exemplare. Sie liegen mir bereits seit über einer Woche vor.

2. Auf der Grundlage der Entwurfsplanung durchforstet die Projektsteuerung derzeit noch die genaue Kostenentwicklung und der Kostenaufteilung. Sie vergleicht in einer Gegenüberstellung die geplanten Kosten der Feinplanung mit der ersten groben Kostenschätzung zu Beginn des Projekts, als die Finanzabteilung im Oberkirchenrat zum ersten Mal unsere Liquidität für dieses Mammutprojekt auf Herz und Nieren geprüft hat.
Zudem erstellt der Projektsteuerer eine genaue Aufteilung der entstehenden Kosten auf die beiden Kostenträger Kirchengemeinde und Pflege Schönau. Im Bereich der Kirche liegt der Löwenanteil bei der Pflege Schönau. Für den Neubau des Gemeindehauses sind wir als Kirchengemeinde überwiegend selbst verantwortlich. Aber auch da gibt es Anteile, die die Pflege Schönau mitfinanziert: Dazu zählt zum Beispiel der Teil der Außenanlage um die Kirche herum, der die behindertengerechte Erschließung der Kirche ermöglicht. Oder: Weil der gesamte Gebäudekomplex durch eine gemeinsame Heizungsanlage versorgt wird, werden die Kosten für den zu erstellenden Heizkeller hälftig getragen.
Dieses umfangreiche und komplizierte Zahlenwerk musste die letzten zwei Wochen über sorgfältig ausgearbeitet werden und ergänzt die Maßnahmenbeschreibung der Architekten.

3. Seitens der Kirchengemeinde müssen wir ein offizielles Formular beifügen, in dem die Basics des Antrags stehen: Welche Kirchengemeinde? Welches Gebäude? Welche Kostenträger (Kirchengemeinde und Pflege Schönau)? Welche Vergünstigungen bei der Mittelbewilligung können geltend gemacht werden (In unserem Fall: Das Haushaltssicherungskonzept, in dem wir uns befinden, und die Zertifizierung als Grüne-Gockel-Gemeinde)? Wie hoch sind die Gesamtkosten der Maßnahme? Welche weiteren Bauvorhaben stehen kurz- oder mittelfristig zudem an?
Dieses Formular umfasst nur zwei Seiten, speist sich jedoch aus den Zahlen, die die beiden vorgenannten Dokumente herausarbeiten. Die finale Fassung kann ich also erst erstellen, wenn diese komplett fertig sind.

4. Der Packen an Unterlagen muss in vierfacher Ausfertigung dann zum Verwaltungs- und Serviceamt in Meckesheim. Dort kommt die letzte Komponente dazu: Ein Dokument, in dem die nötigen Eigenmittel der Kirchengemeinde als vorhanden bestätigt werden. Erst wenn dieses Dokument auch erstellt ist, geht der Antrag auf den Dienstweg, also über das Dekanat des Kirchenbezirks Südliche Kurpfalz in Wiesloch zum Oberkirchenrat nach Karlsruhe. Von dort bekommen wir – wenn alles glatt geht – binnen vier Wochen die kirchenaufsichtliche Genehmigung. Die wiederum ist grundlegend für die Beantragung der Baugenehmigung beim Landratsamt.
Nach bisheriger Einschätzung sollten wir das kirchliche Genehmigungsverfahren also noch vor meinem Urlaub auf den Weg bekommen. Die Unruhe in mir ist also rational gesehen weitgehend unbegründet. Aber ich werde dennoch erleichtert sein, wenn der Packen endlich auf dem Weg ist. – Auch wenn es dann erneut heißt: Warten!

Mit herzlichen Grüßen, Bernhard Wielandt, Pfr.

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