Mama mia – Von Töchtern, Müttern und Schwiegermüttern
Der große Saal im evangelischen Gemeindehaus war am 22. November von erwartungsvollen Frauen gefüllt. Sie waren gekommen, um der Referentin Anne Hettinger zuzuhören, gemütlich zu frühstücken, sich gut zu unterhalten oder einfach, um sich selbst ein besonderes Erlebnis zu gönnen. Das reich gedeckte Frühstücksbuffet wurde im Kirchenraum aufgebaut und die Teilnehmerinnen bekamen die Gelegenheit, sich die neu renovierte Kirche näher anzuschauen. „Es war so schön Schlange zu stehen“, meinte eine Frau. Das Thema der Veranstaltung hatte viele angesprochen, und die Referentin schien für jede Frau eine Botschaft zu haben.
„Mama mia“ – allein dieser Ausdruck verrät, dass das Thema Beziehungen zwischen Töchtern, Müttern und Schwiegermüttern nicht immer einfach ist. Jede Frau ist Tochter, viele gleichzeitig Mutter und manche zusätzlich auch Schwiegermutter. Drei Rollen, die wunderschön sein können – und doch voller Erwartungen, Herausforderungen und manchmal unsichtbarer Fäden, die im Hintergrund ziehen.
Von außen wirken manche Beziehungen harmonisch und liebevoll, doch wie bei einem Strickpulli zeigt erst die Innenseite, wie viele Fäden wirklich verlaufen, erklärte die Referentin. Hinter einer scheinbar ungetrübten Mutter-Tochter-Beziehung können Abhängigkeiten, unausgesprochene Erwartungen oder alte Verletzungen liegen.
Anne Hettinger ermunterte die Frauen, sich am Tisch über die Frage zu unterhalten: „Wie würde eine ideale Mutter-Tochter-Beziehung aussehen?“ Die Referentin fasste anschließend zusammen, was die Meisten sich wünschen: Eine Beziehung voller Akzeptanz, Wertschätzung, gegenseitigem Interesse und Freiheit in der Beziehung. Doch nicht jede Mutter konnte geben, was wir uns gewünscht hätten. Oft hat sie es so gut gemacht, wie sie konnte, vermutete die Referentin.
In diesen inneren Mangel hinein spricht die Bibel tröstlich: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Gott wird darin nicht nur als Vater beschrieben, erklärte Anne Hettinger, sondern an manchen Stellen auch mit einer Mutter verglichen – einer, die tröstet, versorgt und liebt. Wo wir verletzt oder unvollkommen versorgt wurden, möchte Gott füllen, heilen und erneuern.
Besonders spannend wird es, wenn aus einer Tochter irgendwann eine Schwiegertochter oder später eine Schwiegermutter wird. Anne Hettinger berichtete von einer Umfrage die zeigt: Etwa 10% beschreiben ihr Verhältnis zur Schwiegermutter als sehr positiv, 30% als gut, und 60 % es als angespannt oder schwierig. Einmischung, Kritik oder unterschwellige Konkurrenz spielen dabei oft eine Rolle.
Laut Anne Hettinger hat jede Schwiegermutter eine Wahl: Sehe ich in der Partnerin meines Sohnes eine Rivalin oder eine Tochter, die ich dazugewonnen habe? Selbst wenn sie anders ist, als ich es mir gewünscht hätte: Mein Sohn hat sich für sie entschieden. Also möchte ich sie akzeptieren, einfach so wie sie ist, schlug die Referentin vor.
Die Referentin fasste zusammen: Beziehungen sind schön, aber auch manchmal ganz schön anstrengend. Anne Hettinger machte den Zuhörerinnen Mut, alles im Gespräch mit Gott zu bereden. Denn da, wo wir an unsere Grenzen kommen, ist unser Vater im Himmel noch lange nicht am Ende.
Das nächste Ökumenische Frauenfrühstück findet am 14.03.26 im katholischen Gemeindezentrum statt. Adelheid von Hauff hält ein Referat zum Thema „Frauen um Dietrich Bonnhöfer“.
K.Maier



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