Grußwort zur Konfirmation der ersten Einsegnungsgruppe am 26.07.2020

Liebe Konfirmanden, liebe Konfirmandenfamilien, liebe Gemeinde! Im Zuge der Kontaktbeschränkungen, die aufgrund der „SARS-CoV-2“ Pandemie seitens unserer Landesregierung erlassen wurden, endete nach dem 18. März unser regulärer Unterricht. Für 10. und 17. Mai waren Eure Konfirmationen angesetzt. Auch diese beiden Daten mussten wir ungenutzt verstreichen lassen. Erst seit den vorsichtigen Schritten der Lockerung rund um Pfingsten konnten wir – zunächst nur unter strengem Hygieneschutzkonzept – wieder öffentliche Gottesdienste feiern. Auch Ihr Konfirmanden habt zum Teil regelmäßig diesen ersten kirchlichen Schritt zurück in eine neue Normalität miterlebt. Und nun, wo sich Familien wieder in größerem Umfang begegnen dürfen, wollen wir kurz vor den Schulferien, am 26. Juli unter einem eigens für diesen Anlass entworfenen Hygienekonzept in der Christuskirche die erste Konfirmation feiern. Wir hoffen inständig, dass wir auch mit der zweiten Gruppe am 20. September ebenfalls mit einem feierlichen Gottesdienst unter Einhaltung der bis dahin geltenden Abstandsregelungen die Konfirmandenzeit würdevoll abschließen dürfen. Gott sei Dank erscheint es derzeit wenigstens möglich. Weil wir eine große Kirche haben. Weil sich die Pandemie derzeit in unserer Region moderat entwickelt. Und weil Ihr und Eure Familien uns das Vertrauen schenkt und Ihr Euch auf das aktualisierte Konzept einlasst.

Der große Wehrmutstropfen des gefundenen Kompromisses besteht darin, dass jeweils nur für 6 verbindlich angemeldete Personen aus den Familien der Konfirmanden Platz ist. Auch uns in der Gemeindeleitung schmerzt, dass wir hier zum ersten Mal eine Konfirmation in „geschlossener Gesellschaft“ feiern müssen. Auch wenn alle Türen der Kirche zu Lüftungszwecken während des Gottesdienstes geöffnet sein müssen und die Musik aus der Kirche heraus und von außen in die Kirche hineinschallen wird: Da die Emporen der Kirche nach wie vor gesperrt bleiben und wir die Hälfte der Bänke im Kirchenschiff frei halten müssen, dürfen wir keine weiteren Gäste aufnehmen. Sowohl Angehörigen, als auch interessierten Nachbarn oder treuen Gottesdienstbesuchern müssen wir über das zugebilligte Kontingent leider an diesem Tag den Eintritt verwehren. Als mögliches Angebot zur Kompensation, werden wir den Gottesdienst auf Video aufnehmen. Im Lauf des Sonntagnachmittags kann die Aufnahme in Bild und Ton dann über unsere Homepage abgerufen werden. Auch wenn das sicherlich kein Ersatz für ein zeitgleiches Erleben und Mitfeiern in der Kirche sein kann, hoffen wir doch, dass unsere Konfis über dieses Medium auch von einer größeren Öffentlichkeit die nötige Wertschätzung und ideologische Unterstützung erfahren dürfen.

Ein wenig erinnert mich diese Situation an das vereitelte Bemühen des Äthiopischen Kämmerers, einem Eunuchen, der als Finanzminister im Dienste seiner Königin unterwegs war. Er hatte sich sehnlichst gewünscht, im Jerusalemer Tempel einem jüdischen Gottesdienst beizuwohnen. In der Apostelgeschichte des Neuen Testaments wird beschrieben, wie er sich ersatzweise eine kostspielige Buchrolle kauft, um über die Verkündigung des Propheten Jesajas mehr über den Gott der Juden zu erfahren.

Auf seinem Heimweg begegnet ihm der Diakon Philippus, der ihm von Jesus erzählt und ihm die Verbindungslinien zwischen dem Alten und dem Neuen Testament deutet. Mit seiner wachsenden Erkenntnis keimt der Wunsch des äthiopischen Ministers, Teil dieser neuen Glaubensrichtung zu sein und selbst Christ zu werden. Ihm wird deutlich, dass man Gott nicht allein über einen geschichtsträchtigen Ort nahekommen kann. Sondern dass der Gott der Bibel sich über seine Botschaft finden lässt und aktiv die Herzen der Menschen zu erobern sucht. Und so mündet die Geschichte in den Bericht seiner Taufe und dem unvermittelten Ende dieses erfolgreichen Religionsunterrichtes. Die Basisbibel formuliert es so: „Er befahl, den Wagen anzuhalten. Beide, Philippus und der Eunuch, stiegen ins Wasser, und Philippus taufte ihn. Als sie aus dem Wasser herausstiegen, wurde Philippus vom Geist des Herrn fortgenommen. Der Eunuch sah ihn nicht mehr. Aber er setzte seinen Weg voller Freude fort.“ (Apg 8, 38f)

Für mich ist diese Geschichte ein Paradebeispiel für die Vielseitigkeit der Wege Gottes zu unserem Herzen. Selbst wenn uns der Zugang zu inneren Zirkeln der örtlichen Gemeinde verwehrt bleibt. Wenn wir fremd sind oder wenn wie bei der anstehenden Konfirmation der Gottesdienst aus Platzmangel einer geschlossenen Veranstaltung gleichkommt: Das Wort Gottes wirkt unabhängig von einer Bindung an Räume oder enge Bezugspersonen. Das ermutigt mich z.B. grundlegend zur zeitlich begrenzten Arbeit mit Euch Konfirmanden, die Ihr selbstverständlich nach dem Abschluss Eurer Konfirmandenzeit auch noch Anderes ausprobieren und kennenlernen wollt. Und das legitimiert auch theologisch, mit den eingeladenen Familien am 26. Juli eine klare Zielgruppe zu definieren und daneben die Ausgrenzung weiterer Interessierter in Kauf zu nehmen.

Euch Konfirmanden danke ich für Euren Vertrauensvorschuss! Schön, dass Ihr Euch auf unser Konfi-Angebot eingelassen und die Hoffnung auf ein Fest zum Abschluss nicht aufgegeben habt. Ich bin beglückt über die schönen gemeinsamen Momente im Unterricht. Und dankbar für Euer aufrichtiges Interesse. Immer wieder meinte ich in Euren Gesichtern den Spaß am Unterricht und an unserer Gemeinschaft auf Zeit ablesen zu dürfen. Ich wünsche Euch am Tag Eurer Einsegnung ein unvergessliches Fest mit schönen Begegnungen und besonderen Augenblicken, in denen Ihr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit Eurer Verwandten und Bekannten stehen dürft. Und ich wünsche Euch, dass Ihr aus der Zeit unseres gemeinsamen Arbeitens und Erlebens so viel Gottvertrauen mitnehmt, dass auch Ihr Euren Weg „voller Freude“ fortsetzen könnt. Natürlich ist es schön, wenn wir uns auch über den offiziellen Abschluss Eurer Konfirmandenzeit hinaus immer mal wiedersehen. Ihr seid dann mündige Christen und zu allen Vollzügen in unserer Gemeinde eingeladen und berechtigt. Aber entscheidend ist für mich, dass Euch das Wort Gottes kostbar bleibt und Ihr die Erinnerung an unsere gemeinsame Zeit unter seinem Segen wertschätzt. Bleibt behütet und lasst es Euch gut gehen!

Bernhard Wielandt, Gemeindepfarrer