Die erschreckende Corona-Krise scheint fürs Erste überwunden. Das Leben normalisiert sich zusehends. Auch der Ökumenische Helferkreis Sandhausen kann nun endlich wieder fast normal weitermachen. Aber eben nur fast. In der Lockdown-Zeit kamen Tanja Diem und der harte Kern des Helferkreises nicht wirklich zur Ruhe. Das Team holte weiterhin Möbelspenden von Sandhäuser Familien ab und gab sie an Bedürftige, die darauf warteten, mit dem Nötigsten versorgt zu werden.

Das Begegnungscafé, dessen Tür im Wichernhaus immer dienstags von 17.00 bis 20.00 Uhr offen stand, bleibt noch bis auf weiteres geschlossen. Dies liegt an der begrenzten Zahl der Besucher, die für den Raum zugelassen sind, aber auch ein bisschen daran, dass es zur Zeit nicht erlaubt ist, Speisen und Getränke anzubieten. Ohne Kaffee oder Tee plaudert es sich schlecht. Doch Hilfe beim Ausfüllen von Formularen und bei sonstigen Herausforderungen, die im Café normalerweise besprochen werden, leisten wir nun via Whatsapp und bei Treffen mit einzelnen Personen.

Und doch brummt und summt es seit dem 15. Juni wieder im Wichernhaus: Die wöchentliche Hausaufgabenhilfe für Mädchen und Jungen der zweiten bis vierten Klasse wurde vor Corona von rund 20 Kindern besucht und läuft jetzt wieder an. Unser Betreuerteam umfasst 13 ehrenamtliche Helfer, inklusive eines Kochs und zwei Köchinnen, die dank Sponsoring durch die Wichern-Stiftung jeden Donnerstag Pfannkuchen, Spaghetti Bolognese oder andere Leckereien für die Kinder zauberten. Ein Angebot, das die Kinder sehr schätzten und jetzt so richtig vermissen.
Nicht nötig zu erwähnen, dass auch das Team traurig war, als wir wegen Corona alles herunterfahren mussten. Nicht alle Eltern konnten die Hausaufgabenpakete der Kinder überwachen, so dass wir eine Handvoll Kinder während des Lockdowns im „Notbetrieb“ mit einigen wenigen Helfern betreuten. Ein Mittagessen ist bis jetzt immer noch nicht erlaubt. Doch bis zu den Sommerferien bieten wir jetzt Betreuung dienstags und donnerstags jeweils von 14h bis 16h an. Wir hoffen sehr, den Kindern, die sich im Übrigen alle so richtig reinknien, dabei zu helfen, entstandene Lernlücken einigermaßen aufzuholen. 

Über die Aufhebung des Lockdowns haben sich auch die acht ehrenamtlichen Lehrkräfte, teilweise „echte“ Lehrerinnen, sehr gefreut. Die meisten von ihnen sind schon seit 2015 dabei. So nahmen sie Mitte Juni die Deutschkurse für ihre ausländischen, erwachsenen Schüler und Schülerinnen wieder auf. An fünf Tagen in der Woche bietet dieses Team Unterricht zur Alphabetisierung, für Anfänger, und für Fortgeschrittene an. Dieses Angebot wird zurzeit von zwanzig bis fünfundzwanzig Personen wahrgenommen. Der Unterricht wendet sich an ausländische Erwachsene, die in Deutschland nach einer zweiten Heimat suchen, seien es Asylanten oder zugezogene AusländerInnen. Vor Corona fand der Unterricht zum Teil in der Gemeindebibliothek, der Grundschule und im Begegnungscafé statt. An dieser Stelle möchten wir uns für die Bereitstellung dieser Räume wieder einmal herzlich bedanken. Bis auf weiteres sind die Klassen jetzt in das Wichernhaus eingezogen, das freundlicherweise von der Evangelischen Kirchengemeinde auch für den Deutschunterricht geöffnet wurde. Unter Einhaltung der vorgegebenen Hygienemaßnahmen können hier Menschen Deutsch lernen, die keine Kurse finanziert bekommen oder die sich auf offizielle Kurse vorbreiten wollen. Die erzwungene Pause ergab auch bei diesen Schülern Lernlücken, so dass sie das Eine oder Andere, das sie gelernt hatten, mit unserer Hilfe wieder auffrischen können. Gerade das gemeinsame Arbeiten macht allen Beteiligten viel Freude. Es ist ein echtes Miteinander: eine Nigerianerin hilft einer Thailänderin, ein Syrer hilft Kurdinnen, ein Eritreer erklärt allen anderen, was er verstanden hat, und die deutsche Lehrerin ist glücklich darüber, wie alle mitziehen. 

Corona hält uns körperlich auf Abstand, doch kann das Virus uns die Freude am Helfen, Lehren, Lernen und am Miteinander nicht vermiesen. Sobald „die Welt wieder normal ist“ und Helfer und Helferinnen „zupacken“ dürfen, werden wir das Begegnungscafé ohne Gesundheitsrisiko wieder öffnen und unsere Ideen für neue Aktionen umsetzen!