Besuchsdienste haben es derzeit schwer. Die Pandemie hat viele nachhaltig verunsichert. Die Ehrenamtlichen im Besuchsdienst sorgen sich vor eigener und fremder Ansteckung. Schließlich wollen sie weder selbst krank werden, noch diejenigen anstecken, denen der persönliche Besuch gilt und der offizielle Gruß der Kirchengemeinde überreicht werden soll. Auf der anderen Seite erlebe ich auch zum Teil große Verunsicherung bei denen, an deren Haustür ich klingle. Nicht alle sind durch die zweifache Impfung beruhigt. Und in der Tat bleibt ja auch ein Restrisiko. Vor allem bei Menschen im Alter über 60 Jahren.

Darum waren in den vergangenen Monaten der Pandemie auch die Grußkarten für die Altersjubilare meistens nur ausgetragen und in den Briefkasten geworfen worden. Manche Ehrenamtliche hat auch davor telefonisch gratuliert oder vor Ort geklingelt. Um wenigstens an der Haustür noch ein persönliches Wort wechseln zu können. Nur in einzelnen Fällen war auf beiden Seiten so viel Vertrauen in die Situation vorhanden, dass es zu gemütlichen Geburtstagsrunden im privaten Umfeld der Jubilare kam.

Mein Dank gilt ausdrücklich allen Ehrenamtlichen im Besuchsdienstkreis, die sich von den zum Teil strikten Kontaktbeschränkungen nicht haben entmutigen lassen. Im Namen der Kirchengemeinde danke ich auch für die aufwendige Vorbereitung der Besuche: Für das Herrichten der personalisierten Karten, für die Durchsicht der Listen und die Einteilung der Dienste, sowie für die Besuche selbst. In dieser ehrenamtlichen Tätigkeit stecken seit vielen Jahren Fürsorge, Sorgfalt und eine Menge an privater Zeit. Die Rückmeldungen aus der Gemeinde geben dem Aufwand Recht.

Warum sollten wir daran dann etwas ändern? Lange hat diese Frage auch uns in der Gemeindeleitung beschäftigt. Am Ende konnten wir jedoch unsere Augen vor der nötigen Verantwortung nicht mehr verschließen: Die Verantwortung für die dramatisch rückläufigen Finanzen, die Verantwortung für mangelnde Ressourcen auch bei den Hauptamtlichen, die Verantwortung für die Schonung der Umwelt und die Verantwortung für das Älterwerden unserer Ehrenamtlichen.

Die Leitungsfunktion wahrzunehmen, obwohl alle übrigen Beteiligten gerne an den bestehenden Verhältnissen festhalten würden, gehört leider zu den schmerzlichen und unangenehmen Aufgaben, denen wir uns in der nahen Zukunft vermehrt stellen müssen. Denn die üppigen Zeiten sind definitiv vorbei. Geld und Personal – Hauptamtliche und Ehrenamtliche – werden in der Kirche knapp. Die Warnhinweise dafür sind unübersehbar. Und die Großwetterlage auf der Ebene der EKD und der Badischen Landeskirche wird sich auf die Gemeinden niederschlagen – ob wir wollen oder nicht.

In der Konsequenz heißt das, dass wir zusammen mit den Gemeinden im regionalen Verbund (dazu zählen: Leimen, St. Ilgen und Nußloch) auf die Suche nach kooperativen Modellen gehen müssen, die Synergie-Effekte generieren. Und in der Finanzhoheit für die eigene Gemeinde heißt die Aufgabe, alle Bereiche unserer Gemeindearbeit auf Einsparpotentiale hin zu überprüfen, ohne dabei die jeweils sinnvolle Tätigkeit an sich in Frage zu stellen oder gar aufzugeben.

Für den Besuchsdienst haben wir aktuell diese Prüfung der eigenen Handlungsweisen durchgeführt. Dabei ist uns aufgefallen, dass wir vor allem im Bereich des Umfangs der Verteilschriften handeln müssen. Das geschieht zur Reduktion der Kosten und zur Verbesserung unserer Umweltbilanz im Rahmen des „Grünen Gockels“. Die Besuche und der persönliche Kontakt aus Anlass des Geburtstages möchte der Besuchsdienst jedoch weiterhin leisten, solange es den Verantwortlichen gesundheitlich gut geht und solange sie die Tätigkeit selbst mit Freude erfüllt.

Bisher bekamen ab dem 70ten Geburtstag alle Senioren jährlich einen Kartengruß. In Absprache mit dem Besuchsdienstkreis werden künftig erst ab 75 Jahren schriftliche Grüße ausgestellt und verteilt. Folgegrüße werden künftig nur noch in 5-Jahres-Schritten überreicht, wobei die Zehnerschritte (80, 90, 100 Jahre) mit einem etwas größeren Schmuckband bedacht werden. Die Überreichung dieser Schmuckbände ist dann auch mit einem Besuch und der persönlichen Gratulation durch eine/ einen Hauptamtliche/n verbunden. Die Zwischenschritte ab 90 Jahren werden wir Hauptamtliche künftig auch nicht mehr leisten können.

Ich hoffe sehr, dass es uns auch weiterhin gelingt, den persönlichen Kontakt zu den älteren Gemeindegliedern zu halten. Dazu erbitte ich von Ihnen Verständnis für die notwendige Neuordnung. Sie gibt uns in der Gemeindeleitung unter anderem die nötigen Freiräume für die individuellen Seelsorgewünsche. Und sie trägt den knapper werdenden Ressourcen Rechnung.

Mit herzlichen Grüßen,

Pfarrer Bernhard Wielandt.