Ab dem 2. Dezember werden in evangelischen Kirchengemeinden in Baden eine größere Zahl neuer Lieder gesungen werden. Zusammen mit den evangelischen Kirchen in Württemberg, der Pfalz und Elsass-Lothringen führt die badische Landeskirche zum 1. Advent einen neuen Gesangbuchanhang ein und ergänzt damit das bisherige Evangelische Gesangbuch.

Wie kam es dazu? Gesangbücher – wie zum Beispiel das in Baden 1995 eingeführte Evangelische Gesangbuch – sind immer nur Momentaufnahmen. Natürlich enthält das Evangelische Gesangbuch die wichtigen Lieder unserer jahrhundertealten Kirchenliedtradition, aber eben auch neuere Lieder aus den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg, die den Liedbuchkommissionen der 80er Jahre wichtig waren. Seither ist die „Liedproduktion“ aber nicht stehen geblieben – Jahr für Jahr entstehen spannende neue Lieder.

Daher ist es schon immer wichtig gewesen, zwischen den Erscheinungsterminen des eigentlichen Gesangbuchs (das wahrscheinlich etwa 2030 überarbeitet wird), neuere Lieder in Beiheften zu sammeln und sie als Landeskirche miteinander zu erproben. Täte man das nicht, würden es manche Lieder, weil sie zur Entstehungszeit eines evangelischen Gesangbuchs schon „olle Kamellen“ sind, nie in ein Gesangbuch schaffen. Andere, die gerade angesagt sind, würden aufgenommen, obwohl sie sich vielleicht später als „Eintagsfliegen“ erweisen.

Der neue Gesangbuchanhang enthält insgesamt 218 Lieder.  Die ersten 94 sind bereits bekannt, sie wurden bereits 2005 im blauen Heftchen „Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder“ herausgegeben. 124 Lieder wurden neu aufgenommen.

Der Titel des neuen Anhangs ist hingegen bereits vertraut: Nach dem Beschluss der Landessynode wird das neue Buch wie das alte Heftchen heißen: „Wo wir dich loben, wachsen NEUE LIEDER – Gesangbuchanhang der Evangelischen Landeskirche in Baden“.

Während im Südwesten am Gesangbuchanhang gearbeitet wurde, hat die Evangelische Kirche in Deutschland gleichzeitig die Perikopenordnung weiterentwickelt, die auch zum 1. Advent 2018 in Kraft treten wird. Deshalb enthält das Liederbuch außerdem sämtliche Psalmen in der Textfassung „Luther 2017“ und den „Liturgischen Kalender“.

Deutlich wurde bei der Arbeit am Gesangbuchanhang, dass es heutzutage sehr unterschiedliche kirchliche „Singszenen“ gibt, die teilweise wenig voneinander wissen. Im neuen Anhang sind nun typische „Sacro-Pop-Lieder“ aus dem Kirchentagsumfeld genauso vertreten wie Kanons und klassisch anmutende neue Lieder. Es gibt Anbetungs- und internationale, mehrsprachige Lieder. Somit ist schon jetzt klar: Nicht jedes Lied wird jedem gefallen. Aber die neuen Lieder schlagen Brücken zwischen verschiedenen Frömmigkeitsstilen und sogar zwischen Nationen. Denn das Liederheft wurde gemeinsam mit Vertretern aus Elsass-Lothringen erstellt. Daher ist die Anzahl mehrsprachiger, internationaler Lieder besonders groß, mehr als jedes dritte Lied hat auch einen französischen Text. Für die Ökumene beiderseits des Rheins ist das ein großer Gewinn!

Kord Michaelis,

Landeskirchenmusikdirektor der badischen Landeskirche