Nach fast 8 Jahren Tätigkeit als Gemeindepfarrer in der Dienstgruppe der Evangelischen Kirchengemeinde Sandhausen wird meine Zeit hier zum 31. Januar 2022 enden. Der Stellenwechsel kommt für viele Mitarbeitende im Ehren-, Neben- und Hauptamt überraschend, ist von meiner Seite jedoch schon von langer Hand vorbereitet und mit einer klaren Perspektive der beruflichen Weiterentwicklung verbunden. Ich werde zum 1. Februar 2022 als Landeskirchlicher Beauftragter für die Seelsorge an Gehörlosen und Hörgeschädigten ein in vielen Bereichen neues und herausforderndes Tätigkeitsfeld aufnehmen. Dazu habe ich unter anderem seit September den Unterricht zum Erwerb der Deutschen Gebärdensprache begonnen. Die neue Stelle umfasst Gemeindetätigkeit in den Gehörlosengemeinden im Rhein-Neckar-Raum, die unter anderem monatlich einen Gottesdienst in der Evangelischen Jakobuskirche in HD-Neuenheim feiern. Darüber hinaus werde ich künftig auch überregional für die besonderen Belange Gehörloser und schwerhöriger Menschen innerhalb der Badischen Landeskirche sein. Das beinhaltet die Kontaktpflege und den fachlichen Austausch mit den Verantwortlichen der anderen Gehörlosengemeinden oder dem Beirat der Hörgeschädigten in Baden. Und dazu gehört die Repräsentanz der Badischen Landeskirche nach außen gegenüber anderen kirchlichen oder öffentlich-rechtlichen Organen und Interessenvertreter*innen in diesem Aufgabengebiet. Der Dienstsitz ist in HD-Neuenheim.

Da ich mit Beginn an der neuen Stelle keinen vorgeschriebenen Wohnort mehr habe, endet auch meine Berechtigung, eine Dienstwohnung gestellt zu bekommen. Wir müssen also die bisherige Wohnsituation verändern und erneut umziehen.

Seit Juni 2021 komme ich mir wie ein Geheimagent in eigener Sache vor. Zu dem Zeitpunkt wurde ich von den beteiligten Fachreferaten gezielt für diese Aufgabe angefragt und zur Bewerbung ermutigt. Nach eingehender Prüfung meiner eigenen Motivation und zielführender Gespräche habe ich mich zu einer Interessensbekundung entschlossen. Die endgültige Entscheidung für die Besetzung durch meine Person viel im Oberkirchenrat jedoch erst vergangenen Donnerstag. Daher konnte ich auf dem bisherigen Weg nur den engsten Mitarbeiterkreis über meine Beweggründe und die bevorstehenden Veränderungen informieren.

Dass ich nun mit der gefallenen Entscheidung an die Öffentlichkeit gehen kann, entlastet mich auf der einen Seite. Schließlich muss ich nun nicht mehr darauf achten wem ich was sage und wie ich mich in den aktuellen Gemeindeprozessen und in den Planungen im Team der Gemeindeleitung positionieren und strategisch verhalten soll. Es tut gut, meine beruflichen Pläne und die räumliche Veränderung mit meiner Familie offen mitteilen zu können.

Auf der anderen Seite beginnt mit dem Schritt nach außen natürlich auch die Phase, in der ich und meine Familienangehörigen auf unterschiedlichsten Ebenen mit verständlichem Erstaunen oder gar Entsetzen, mit Trauer, Unverständnis, Kränkung oder aufbrechenden Zukunftssorgen konfrontiert werden. Da ich das im internen Kreis der engsten Mitarbeiter*innen schon hinter mir habe, kann ich dankbar feststellen, dass mir neben all den erkennbar belastenden Emotionen bisher schon auch sehr viel Wertschätzung, Verständnis, Dankbarkeit und beste Wünsche für die Zukunft gewährt und entgegengebracht wurden. Trotz des Bedauerns auf beiden Seiten gibt es zum Glück auch die zahlreichen Erinnerungen an harmonisch empfundene Phasen gemeinsamen Arbeitens und Zusammenlebens, die hoffentlich auch mit zunehmendem Abstand zur ersten Betroffenheit ihren Raum einnehmen und so Stück für Stück eine ausgewogenere Betrachtung der bevorstehenden Veränderung herbeiführen.

Ich für meinen Teil darf Ihnen und Euch allen versichern, dass meine Familie und ich für die Zeit in Sandhausen dankbar sind. Wir durften viel Beachtung, Ermutigung und Wertschätzung für unsere eingebrachten Gaben erfahren. Wir werden trotz räumlicher Veränderung sicherlich noch manche Bezüge zur Kirchengemeinde aufrechterhalten und auch privat gerne mit vertraut gewordenen Menschen in Kontakt bleiben. Alle Beteiligten haben signalisiert, dass ich trotz der sich verändernden Zuständigkeiten für das aktuelle Bauprojekt der Kirchenrenovierung und des Gemeindehausneubaus noch eine Weile mitverantwortlich bleiben kann und soll, bis meine Mitarbeit irgendwann auch nicht mehr dringend erforderlich sein wird. Ich lasse Sie also im komplexesten und von seiner Tragweite derzeit umfangreichsten gemeindlichen Veränderungsprozess nicht von heute auf morgen allein.

Für die anderen Vollzüge und die inhaltliche Arbeit, wie die Geschäftsführung, die seelsorgliche Betreuung und die Verantwortung der Gottesdienste und Kasualien, stehen Ihnen das verbleibende eingespielte Team an Ehren- und Hauptamtlichen vor Ort zur Verfügung. Diese können sich wiederum auf die Fürsorge durch das Dekanat und die Landeskirche verlassen, die in den nächsten Tagen und Wochen für die Regelung der Verantwortlichkeiten in der Vakanz zuständig sein werden.

Auch über die Fragen, in welcher Form meine Stelle wieder ausgeschrieben und neu besetzt wird, werden wir in den zuständigen Gremien noch vor der Jahreswende die nötigen Prozesse und Entscheidungen anstoßen. Insofern bin ich beruhigt, dass diese Gemeinde über meinen Fortgang hinaus immer noch verlässlich betreut sein wird.

Bitte helfen Sie mit, dass die Phase des Übergangs für die verbleibenden Ansprechpersonen nicht zur übermenschlichen Belastungsprobe wird: Durch maßvolle Wünsche an die verbleibenden Verantwortlichen, sowie durch aufgebrachtes Verständnis dafür, dass deren Belastungen vermutlich höher sein werden und so nur begründet ausgewählte Ideen und Anforderungen vollumfänglich erfüllt und verwirklicht werden können. Bitte öffnen Sie sich auch für neue Personen, die im Vertretungsfalle oder sich dann hoffentlich bald auch als Hauptverantwortliche im Gemeindealltag etablieren werden.

Bis es so weit ist, auf Wiedersehen zu sagen, wünsche ich uns allen einen guten Auftakt in den Advent, der auch dieses Jahr wieder von den Einschränkungen des öffentlichen Lebens aufgrund der Corona-Pandemie geprägt sein wird. Möge die Ankunft unseres Gottes ein starkes Bild für alle Veränderungsprozesse und Einschränkungen sein. Er wird kommen, mit neuer Intensität – so wie er schon immer da war. Das ist gewiss. Möge es uns gelingen, mit seiner Gegenwart zu rechnen und uns dafür zu öffnen.

Für Ihren Weg durch den Advent wünsche ich Ihnen Gottes reichen Segen – die Erfahrung, dass Gott auch Ihnen persönlich nahe sein möchte.

Pfr. Bernhard Wielandt