Quer durch Deutschland, Österreich und Italien sollte am vergangenen Samstag von 12.00 Uhr bis 12.30 Uhr eine Menschenkette reichen – als Mahnwache für die Menschen, die bisher im Mittelmehr als Flüchtlinge ums Leben kamen. Für Sandhausen wäre der Streckenanteil rund 6 km gewesen. Unter Einhaltung der coronabedingten Abstandregeln wären rund 2000 Menschen erforderlich gewesen, um die Kette auf dieser Strecke tatsächlich zu schließen. Der ökumenische Helferkreis Sandhausen hat sich trotzdem zur Teilnahme an dieser Aktion entschlossen. Es ging uns vor allem darum, in immer egoistischeren Zeiten ein Zeichen zu setzen. Rund 60 Menschen haben sich der Mahnwache in Sandhausen angeschlossen: vom Kindergartenkind bis zu Senioren und Seniorinnen wurden wir bei dieser Aktion unterstützt. Dafür möchten wir uns recht herzlich bedanken, ebenso danken wir den Mitgliedern von FDP, SPD, AL und den Grünen, die sich uns trotz eigener Wahlkampfaktivitäten spontan angeschlossen haben.

Auf dem Weg in eine bessere Zukunft, auf der Flucht vor Hunger, Kugeln und Bomben wagen sich Menschen auf ungewissen und gefährlichen Wegen durch die Wüste auf das Mittelmeer, um Europa zu erreichen. Nicht wenige verlieren dort das Leben, weil sie Schleppern und deren maroden Booten vertrauen. Die Hoffnung, in Europa, einer der reichsten Regionen der Welt, eine sichere Zukunft zu finden, wird auf halbem Weg zunichte gemacht.

Europa schaut zu, wie Menschen im Mittelmeer jämmerlich ertrinken. Die Menschen, die gerettet werden, müssen erleben, wie europäische Regierungen sich über Aufnahmemodalitäten streiten. Dabei streiten sie sich nicht darüber, wer die meisten Flüchtlingen aufnehmen darf, sondern darüber, wer so wenig wie möglich oder im „besten“ Fall gar keine Flüchtlinge aufnehmen muss. Gerade Länder, die selbst in den vergangenen Jahren und auch aktuell noch massiv von der finanziellen Hilfe Europas profitieren, verwehren sich am lautesten und am heftigsten dagegen, Hilfsbedürftige aufzunehmen.

Und ja, ideal wäre es, wenn Menschen gar keinen Grund hätten, ihre Heimat zu verlassen. Wenn überall politische und wirtschaftliche Sicherheit gäbe. Es sind lokale Machthaber und internationale Konzerne, denen es darum geht, die natürlichen Ressourcen vor allem in Afrika gewinnbringend zu vermarkten. Negativ entwickeln sich dabei die Lebensbedingungen vieler Menschen, die über Generationen hinweg ein Auskommen in den ihnen angestammten Regionen hatten, jetzt aber ausgebeutet werden und nicht an Bildung und wirtschaftlichem Wohlergehen teilhaben können, weil man sie nicht lässt.

Wir wollen, dass sich diese Politik ändert. Wir wollen, dass alle Menschen in ihrer Heimat ein menschenwürdiges und friedliches Leben führen können. Bildungschancen erhalten und ihr Land selbst so entwickeln können, dass genügend Arbeit entsteht, dass ihre Heimat sie ernähren kann und ihnen die Zukunft bewahrt.

Wenn „unsere“ Entwicklungspolitik dies nicht hinbekommt, unsere Klimapolitik immer mehr Regionen zu nicht bewohnbaren Regionen werden lässt, dann brauchen diese Menschen eine Chance auf eine neue Heimat. So, wie viele Europäer in den vergangenen drei Jahrhunderten in wirtschaftlichen und auch politischen Notsituationen die Chance auf eine neue Heimat in besser gestellten Regionen unserer Erde bekamen.

Am Ende muss „Menschlichkeit“ gewinnen, nicht Gier nach noch mehr Geld: Dafür standen wir am Samstag an der Straße.