Besucherbergwerk Schmittenstollen

Es war ein bisschen frisch am Samstagmorgen, aber alle waren froh, dass es nicht so heiß war. So starteten wir frohgemut in Richtung Bad Kreuznach, was südlich von Bingen in Rheinland-Pfalz liegt. Chorleiter Norbert Gubelius packte unterwegs die Liederbücher aus und wir stimmten ein paar Volksweisen an, was die Laune noch anhob. Eine Frühstückspause machten wir auf einem Rastplatz: Laugengebäck zur Stärkung, Getränke hielt Busfahrer Jerry bereit. Bald näherten wir uns dem ersten Ziel, dem Besucherbergwerk Schmittenstollen. Jedoch bog Jerry an einer Einbiegung nicht ab, wo er hätte abbiegen sollen und so kam es, dass wir einen etwas abenteuerlichen Umweg über schmale Straßen durch Feld, Wald und Wiesen machen mussten, inklusive einer Kehrtwendung, als es nicht mehr weiterging. Dennoch brachte Jerry uns ans Ziel, einen Waldparkplatz. Von dort bis zum Stollen ging es noch 600 Meter einen abschüssigen Fußweg hinunter, nicht ideal für diejenigen mit Gehbeschwerden. Die meisten schafften es, einige wurden noch mit dem betriebseigenen Jeep abgeholt.

Die Besichtigung des Quecksilberbergwerks lohnte sich allemal, bot sie doch einen interessanten Einblick in die Umstände der Zinnobergewinnung, wie sie schon vor 600 Jahren stattfand. Das scharlachrote Quecksilbersulfid, genannt Zinnober, wurde ganz früher von Hand mit einfachen Werkzeugen aus dem rötlichen Stein gehauen. Ein Bergmann schaffte am Tag 3 cm Material eines bestimmten Durchmessers, was deutlich macht, wie schwer diese Arbeit war. In nahezu dunkler Umgebung in gebückter Haltung viele Stunden lang körperliche Schwerstarbeit verrichten, verbunden mit dem Risiko für Leib und Leben, wie es untertage besteht. Nicht umsonst heißt der Bergmannsgruß „Glückauf“.

Den steilen Weg bergauf zurück zum Bus wurden viele chauffiert, einige schnauften zu Fuß.

Die Fahrt ging jetzt ins Zentrum von Bad Kreuznach, wo das Mittagessen auf uns wartete. Das Restaurant Mühlentor war über unsere Verspätung informiert, so gab es kein Problem. Die Küche wurde allseits gelobt, das Essen schmeckte sehr gut.

Unsere nächste Verabredung hatten wir mit dem „Blauen Klaus“.

„Blauer Klaus“ und Gradierwerke

Einem blaugefärbten Bähnchen, das uns auf eine Panoramafahrt in und um Bad Kreuznach mitnehmen sollte. Dazu musste noch ein Fußweg entlang des Mühlenteichs zum Abfahrtspunkt am Kurhaus zurückgelegt werden, den alle, auch die Fußschwachen, bereitwillig unternahmen und wir kamen pünktlich an.

Es fanden alle Platz in den drei Wagons und auf ging‘s durch den Kurpark Richtung Salinental. Dort stehen die sechs Gradierwerke der Gesamtlänge von 1100 Metern, über die Bad Kreuznach verfügt. Diese dienen dazu, Salzlösungen, Solen, die aus der Erde gewonnen werden, zu konzentrieren. Die Sole rieselt über hoch aufgetürmtes Schwarzdornreisig und dabei verdunstet Wasser, so dass sie am Ende relativ mehr Salz als vorher enthält. Früher dienten die Gradierwerke zur Kochsalzgewinnung, heute resultiert daraus die sogenannte „Mutterlauge“, die zur Bäderkur dient. Darüber hinaus ist die Luft in der Nähe der Gradierwerke mit Salzen angereichert und insofern gesund zum Einatmen.

Die Tour führte auch durch die neueren und älteren Teile der Innenstadt von Bad Kreuznach, auch vorbei an den berühmten Brückenhäusern, Gebäude, die um 1500  wegen Platzmangels auf der Alten Nahebrücke errichtet worden waren. Die routinierte Fahrweise des Lokführers und der wissensreiche Kommentar der Stadtführerin, in angenehmer Erzählweise vorgetragen, verhalfen uns zu einer eindrücklichen und genussvollen Fahrt.

Danach hatten wir noch Zeit, die Stadt an den beiden Wasserläufen Nahe und Mühlenteich auf eigene Faust zu erkunden, Kaffee zu trinken und/oder gemütlich im Kurpark spazieren zu gehen.

Die Rückfahrt lief glatt, es wurde viel gesungen, Jerry betonte zum Schluss, dass es eine abenteuerliche Fahrt war, wobei ihm ein gewisses Vergnügen daran anzumerken war. Er würde jedenfalls wieder mit uns zu einem Ausflug aufbrechen.

H. Ortlepp