Auch in diesem Herbst nahm unser Kirchenchor teil an zwei Gottesdiensten in den Seniorenheimen Sandhausens. An einem Montag Vormittag waren wir zu Gast in der ASB-Seniorenresidenz am Leimbach und gestalteten zusammen mit Gemeindediakonin Ute Dumke die besinnliche Stunde.

Wir sangen die Lieder „Kein schöner Land“, „Schön ist die Welt“ und „Am Brunnen vor dem Tore“, bekannte Lieder, die die Bewohner mitsingen konnten. Zwei neuere Lieder, nämlich „Gib uns Frieden“ und „Herr, deine Liebe“ wurden von allen zusammen gesungen. Ute Dumke las Geschichten vor, eine handelte vom Zweiten Weltkrieg zwischen Japan und den USA. Sie schloss mit der demütigen Einsicht, dass in diesem Krieg wohl mit den falschen Waffen gekämpft worden war, nämlich mit blutigen Waffen statt mit Gottes Wort. Der andere Text handelte von dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der sich auch im Rahmen seines politischen Amtes zu seinem christlichen Glauben bekennt.

Zwei Wochen später besuchten wir am Nachmittag das Pflegeheim in der Jahnstraße. Auch dort wurden wir schon sehnsüchtig erwartet, war doch der musikalisch umrahmte Gottesdienst ein kleiner Höhepunkt im sonst ruhigen Alltag der Senioren. Die Lieder waren dieselben, die Geschichten andere. Eine handelte davon, wie eine Wandergruppe in Griechenland in eine höchst schwierige Notsituation geriet, und dann, Gott sei Dank, ganz unvermittelt doch noch von einem Schafhirten in seinem Pick-up, einer Art kleinem Lastwagen, vor dem schieren Verdursten gerettet wurde. Die andere Geschichte erzählte aus dem Leben von Alexander Stavnichuck, den es als jungen Mann zur See trieb, er wollte dem geistig unfreien Russland entfliehen und suchte Weltoffenheit auf den Weltmeeren. Die Arbeit auf den Schiffen war jedoch hart und seelisch zerstörend, als es ihm deshalb sehr schlecht ging, fand er zu Jesus Christus. Im Verlauf der Zeit konnte er in Deutschland Theologie studieren, arbeitete als theologischer Lehrer in St. Petersburg und später als Pastor einer Gemeinde in Deutschland. Er erlebte die Sicht auf den Zweiten Weltkrieg von zwei ursprünglich verfeindeten Seiten – das Leiden ist überall das gleiche –  und hat daher seinen Antrieb, Gottes Versöhnung zu leben, Botschafter seines Friedens zu sein.

Dass die Bewohner des Pflegeheims uns gerne bei sich hatten, merkte man auch daran, dass sie eine Zugabe wollten, die sie bekamen mit dem Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ und in die sie freudig einstimmten.

Zwischen den Sängerinnen und Sängern des Chors und den Seniorinnen und Senioren gibt es einige Bekanntschaften und so ist der Besuch immer eine Gelegenheit, Kontakte aufzufrischen. Es wäre schön für die Menschen in den Altenheimen, wenn sie häufiger Besuch bekämen.

  1. Ortlepp