Heute möchte ich einige Worte aus dem Segen thematisieren, die das lang ersehnte Ende des Gottesdienstes signalisieren, man aber meist nicht tiefgehend reflektiert:

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig

Wir wissen, was ein leuchtendes Gesicht und was ein finsteres Gesicht bedeutet. Gott wendet sich dir freundlich zu und lässt dich seine Güte wie ein wärmendes Licht erfahren.

Die Nähe Gottes lässt dich innerlich aufleben. Als Christen wissen wir, dass die unverdiente Nähe Gottes, die Gnade Gottes etwas mit Jesus zu tun hat. In IHM hat die Gnade und Liebe Gottes ein Gesicht bekommen. Und wenn wir uns von ihm anstrahlen lassen, werden wir geprägt.

Die Geschichte von Sonja Knips verdeutlicht dies:

Der Wiener Künstler Gustav Klimt erhielt einmal von der Baronin Sonja von Knips den Auftrag, ein Portrait von ihr zu erstellen. Der Künstler stimmte zu, allerdings wollte er nicht nur eine Momentaufnahme von seiner Kundin zeichnen. Das erste Bild ist eine Fotografie von Sonja Knips und zeigt sie mit leerem Blick, ihre Körperhaltung ist ohne Spannung. Die Schwere ihres Gemütes ist sowohl in den Gesichtszügen als auch in der gesamten Haltung spürbar. Sie ist keine besonders „spannende“ Frau. Sonja Knips, depressiv und oft krank, unglücklich mit einem wohlhabenden Mann verheiratet, ist zum Zeitpunkt der Aufnahme 24 Jahre alt.

Da die gesundheitliche Lage von Sonja besorgniserregend ist, beauftragt ihr Ehemann den berühmten Maler des Jugendstils, Gustav Klimt, von der jungen Frau für die Ahnengalerie ein Bildnis zu erstellen. Zeitgleich mit dem Fototermin im Jahr 1898 beginnt Klimt sein Ölgemälde zu malen. Er braucht viele Monate, beinahe ein Jahr, bis das Bild fertiggestellt ist. In dieser Zeit trifft er sich oft mit seinem Modell, er will das Besondere an ihrem Wesen erfassen und genau das sichtbar machen.

Der Künstler malte nun nach einem langen Beobachtungszeitraum ein Portrait von ihr. Es sah ihr allerdings überhaupt nicht ähnlich. Auf dem Bild schien jemand anderes abgebildet zu sein. Auf dem Bild sah man nämlich eine wunderschöne Frau. Eine Frau mit einer kraftvollen Ausstrahlung. Die Baronin hängte sich das Portrait – wohl leicht geschmeichelt – trotzdem im Wohnzimmer an eine gut sichtbare Stelle.

Und nun geschieht das Unglaubliche. Als der Künstler die Baronin ein paar Jahre später besucht, ist er sehr erstaunt. Die Baronin hat sich in eine wunderschöne Frau verwandelt. Sie war der Frau die er vor ein paar Jahren gemalt hatte wie aus dem Gesicht geschnitten. Weg war ihre depressive Ausstrahlung. Sie hatte sich total verwandelt. Sie sah ganz aus wie die Frau auf dem Bild, das er vor Jahren gezeichnet hat. Die Baronin hat sich unbewusst durch das ständige Betrachten des Bildes immer mehr in diese schöne Frau verwandelt. Der Künstler malte einen Entwurf von ihr – und sie wurde diesem Entwurf immer ähnlicher. So ähnlich, dass ihre Verwandlung wie ein Wunder erschien.

Das, was wir anschauen, prägt uns. Die Menschen, die den ganzen Tag Schreckensnachrichten auf dem Bildschirm ansehen, werden immer deprimierter. Wer sich zuviel mit den Aggressionen in den Medien beschäftigt, fördert die eigene Aggression. Wie gut tut es uns und unseren Mitmenschen, wenn wir uns dem Guten, dem Schönen, dem Positiven zuwenden und uns davon prägen lassen. Dies schafft eine Atmosphäre der Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes und wird anziehend für andere.