Wir sind die Evangelische Jugendgruppe Sandhausen und wir haben vergangenen Samstag unser erstes größeres Projekt gestartet. Wir dachten uns, dass wir anlässlich Weihnachten auch anderen Menschen eine Freude machen könnten, denen es nicht so gut geht wie uns. Wenn wir einmal darüber nachdenken, was Weihnachten für uns bedeutet, denken wir zuerst an Plätzchen, Familie, Kerzenschein und leckeres Essen. Doch was ist, wenn einem die Bedingungen für ein gemütliches Weihnachtsfest fehlen?

Was machen die unzähligen Menschen, die auf der Straße sitzen müssen und denen furchtbar kalt ist. Die jeden Tag tausende von Menschen an sich vorbeilaufen sehen, die aus Geiz, Stolz oder einfach nur Eile an diesen Menschen vorbeilaufen. Wie oft ist es Ihnen, und auch uns schon passiert, dass wir in einer Stadt an Menschen vorbeilaufen, die offensichtlich nichts oder nur wenig haben und für die der Tag meist nichts als Trauer, Kälte und Verzweiflung bringt. Wir haben zwar Mitleid, denn so eine Situation wünscht man keinem unserer Mitmenschen, aber wir gehen dann doch weiter, weil wir denken, was, wenn dieser Mensch nur mein Geld will und es ihm eigentlich gut geht oder, wenn ich dem etwas Geld gebe, kauft er sich sowieso Alkohol oder Drogen. Doch wie oft ist dies einfach nur der natürliche Geiz und Argwohn der Menschen und wie oft sitzen am Straßenrand wirklich Menschen, denen es furchtbar schlecht geht und die schon für die kleinste Kleinigkeit dankbar sind. Genau diesen Menschen wollten wir uns zuwenden um ihren Tag vielleicht wenigstens für einen kurzen Moment ein kleines bisschen besser und freundlicher zu gestalten.
Darum haben wir uns am Freitag, den 8. Dezember 2017 als Gruppe bei einem unserer Mitglieder Zuhause getroffen und haben zusammen Plätzchen gebacken und verziert. Diese haben wir dann liebevoll verpackt und mit kleinen Botschaften versehen. Schon die Vorbereitung auf unser Projekt bereitete uns sehr viel Spaß. Wir hatten das Gefühl, den Charme von Weihnachten richtig auszuleben.
Mit dem Plan, diese Plätzchen zusammen mit einer heißen Tasse Tee oder Kaffee an Obdachlose zu verteilen, sind wir am darauffolgenden Samstag zu neunt nach Heidelberg gefahren. In der Fußgängerzone sind wir dann auf einige heimatslose Menschen getroffen, die frierend am Straßenrand saßen. Eine Situation, in die sich die meisten von uns wahrscheinlich nur schwer hineinversetzen können. Viele von ihnen haben sich sehr über die Plätzchen und den Tee gefreut und haben sich sehr freundlich mit uns unterhalten, dabei haben sie uns von ihren persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen erzählt.

Eine der Frauen die wir getroffen haben war wirklich dankbar für das heiße Getränk und die Plätzchen, sie hat uns erzählt, dass sie auch schon einmal in Sandhausen war und findet, dass es ein sehr schöner Ort ist. Es hat uns sehr beeindruckt, dass, obwohl die Frau zwei Strumpfhosen und eine Jogginghose trug und trotzdem gefroren hat, sich um uns gesorgt hat, da einige von unseren Mädchen, ganz nach der neuen Mode, zerrissene Hosen getragen haben. Als wir dann mit der Frau ein Bild gemacht haben hat sie uns gebeten, dass sie ihre Mütze ins Gesicht ziehen darf, es war ihr also offensichtlich sehr peinlich, in dieser Situation zu sein. Außerdem hat sie darauf bestanden, dass ihre beiden Plüschvögel mit auf das Bild dürfen, da diese ihr sehr wichtig sind und das einzige darstellt, was ihr aus ihrem früheren Leben geblieben ist.
Ebenfalls sehr gefreut hat uns, dass einige der Obdachlosen bereits einen warmen Tee oder Kaffee hatten und sie nicht so sehr frieren mussten.
Weiterhin haben wir einen sehr netten Mann mit seinem Hund Ey getroffen, der sich auch sehr über unsere Aktion gefreut hat. Dieser hat sehr bereitwillig ein Gespräch mit uns gesucht und hat uns viel darüber erzählt, wie er in diese Situation gekommen ist. Er war eine Zeit lang in Reha und konnte deshalb nicht arbeiten, weshalb er seinen Job verloren hat. Außerdem hat sein Vermieter ihn belogen. Darum hat er schlussendlich seine Wohnung verloren. Er konnte also wenig dafür, dass er in diese Lage gekommen ist. Man hat ihm angemerkt, wie sehr er seinen Hund liebt, da dieser sein einziger Begleiter in dieser schweren Zeit ist.

Am Ende unseres Aufenthaltes in der Heidelberger Fußgängerzone durften wir noch die Bekanntschaft eines Verkäufers einer Obdachlosenzeitung machen, der zunächst gar nicht fassen konnte, dass wir ihm einfach so, aus Nächstenliebe ein Geschenk gemacht haben. Er war von unserer Aktion sehr berührt und war äußerst nett und dankbar.

Wir konnten also einiges von diesen Menschen lernen, die die meisten Leute beim Laufen durch die Stadt vermutlich nicht einmal beachten. Doch sie sind ganz normale Menschen wie wir alle auch und können meist wenig für ihre schlechte Situation. Uns wird für immer ihre Offenheit und Herzlichkeit in Erinnerung bleiben, und dass sie trotz ihrer Geschichten und Erlebnisse Hoffnung haben auf ein besseres Leben. Und dass sie, obwohl viele nicht auf der Straße sitzen wollen, ihr Bestes geben und irgendwie Tag für Tag versuchen, weiter zu machen. Man lernt, wenn man sich mit Menschen in schlechten Lebenssituationen unterhält, wie wichtig auch kleine Dinge sind und wie viel dankbarer wir alle sein sollten. Wir nehmen viel zu viel für selbstverständlich an und scheinen gar nicht zu verstehen, wie viel uns die Gesellschaft und unser Umfeld gibt und wie gut es uns eigentlich geht. Dankbarkeit wird in unserer heutigen Welt viel zu wenig wertgeschätzt und wir achten zu wenig auf unsere Mitmenschen. Die Dankbarkeit, die wir bei unserem Ausflug von den Menschen erfahren haben, die von der Gesellschaft viel zu oft heruntergestuft werden, war ein viel größeres Geschenk als es uns Geld je machen könnte. Die Erfahrungen, die wir gemacht haben, werden wie nie vergessen und die Herzlichkeit dieser Menschen werden wir für immer in unserem Herzen tragen.