geschrieben von Bernhard Wielandt, Pfr.

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Eintrag 16, Kalenderwoche 28/ 2018

In den letzten Tagen hat mich ein Sinnspruch Jesu tiefgründiger beschäftigt: „Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (Lk 9, 62) Im Zusammenhang mit dem Bauprojekt stößt mich dieser Vers auf die Verantwortung, die wir bei grundlegenden Aufbrüchen und Veränderungen tragen. Auch wenn es schon viele Vorentscheidungen gab, die für den Prozess der Gebäudeoptimierung ihre Furchen gezogen haben: Jeder weitere Umbruch bringt uns zwar dem Ziel näher, stellt aber auch eine unumkehrbare Festlegung dar, die wohl bedacht und sauber entschieden sein will.

In diesen Tagen bekommen wir die fertige Entwurfsplanung präsentiert. Sie bündelt alle grundlegenden Entscheidungen, die wir in den unterschiedlichen Gewerken all die Wochen zuvor einzeln beraten und in der Runde zwischen Architekten, Fachplanern und EOK abgestimmt haben. Manche Bereiche dieses großen Projekts sind dabei noch sehr unscharf. Da steht allenfalls eine Richtungsangabe, die es ermöglicht, mit groben Schätzungen zu arbeiten. Das betrifft zum Beispiel die ganze Innenraumgestaltung der Kirche. Da in der Entwurfsplanung jedoch auch der Kostenrahmen für die interne Genehmigung endgültig festgezurrt werden muss, haben wir in anderen Punkten im Bereich des Gemeindehauses schon bis ins Detail Vorentscheidungen treffen müssen. So zum Beispiel bei der technischen Ausstattung, bei Schrankeinbauten oder der Einrichtung der Küche.

Wahrscheinlich stellt sich mir aber genau aus diesem Paradox heraus die Last der Verantwortung noch einmal dringlicher dar: Auf der einen Seite wissen wir noch gar nicht, ob wir wegen der bereits ausführlich dargestellten Debatte mit der Denkmalpflege überhaupt eine Baugenehmigung bekommen werden. Und auf der anderen Seite haben wir bereits die konkreten Modelle für die künftigen Tische und Stühle ausgesucht, weil sie im gesamten Planungsvolumen einen nicht unerheblichen Kostenfaktor darstellen.

Beruhigend finde ich in dem ganzen Zusammenhang, dass wir im Planungsteam nur als Vordenker fungieren und bezüglich der Entscheidungsverantwortung auch andere noch die Hand mit an den Pflug legen. Es wird nach der Vorstellung der Entwurfsplanung noch eine ganze Reihe von demokratisch strukturierten Legitimierungsschritte geben: Zunächst bekommt auch in diesem Fall der ganze Kirchengemeinderat vorgestellt, was bisher geplant ist. Nach der Zustimmung dieses Gremiums muss der bis jetzt entwickelte Planungsstand auch vom Bauamt des EOK fachaufsichtlich genehmigt und von der Finanzabteilung des EOK auf Liquidität geprüft werden. Aufgrund der in die Tiefe ermittelten Kosten wird uns dann ein Finanzierungsvorschlag unterbreitet, den wir im KGR erneut beraten und beschließen müssen. Erst wenn der EOK durch diese beiden Referate hindurch einstimmig das Projekt freigibt und der Beschluss im KGR steht, wird auch der Auftrag für den nächsten Schritt erteilt: Die Ausführungsplanung.

Parallel zu diesen notwendigen kirchenrechtlichen Abläufen sind wir als Gemeinde aufgefordert, unsere eigenen Mitglieder auf den neusten Stand zu bringen. Dazu zählt die Vorstellung der Planung im Gemeindebeirat sowie in einer öffentlichen Gemeindeversammlung, wo ausführlich informiert wird, Rückfragen möglich sind und zunächst die Mitarbeiter und dann alle interessierten Mitglieder der Kirchengemeinde als beratende Stimmen gehört werden. Diese beiden Veranstaltungen sind für den Herbst geplant, während der drei Monate, die es mindestens dauern wird, bis der Bauantrag im Landratsamt bearbeitet sein wird.

Mit herzlichen Grüßen, Bernhard Wielandt, Pfr.  zum Anfang

Eintrag 15, Kalenderwoche 27/ 2018

Die letzten Tage und Wochen vor der Sommerpause sind geprägt von den Vorbereitungen des Bauantrags. Wir wollen Mitte August das dicke Aktenpaket auf den Weg bringen, das dann im Landratsamt ausgewertet und rechtlich verbindlich beschieden werden soll. Damit geht nicht nur eine planerische Hochspannung einher, sondern sind auch intensive taktische und rechtliche Absprachen verbunden. Der Wunsch war seitens des Architekturbüros, im Vorfeld möglichst viele heikle Punkte mit der Genehmigungsbehörde mündlich abzustimmen. Das ist in vielen Fällen bereits gelungen, sodass wir in diesen Bereichen Planungssicherheit haben. Leider ist uns im intensiven Gespräch mit den Vertretern der Denkmalpflege jedoch bisher noch keine Einigung gelungen. Wir werden den Bauantrag dennoch jetzt stellen, damit wir wissen, wie die Baurechtsbehörde die denkmalfachlichen Einwände gewichtet.

Ein Aspekt scheint in dieser Diskussion zentral zu sein: Nach Ansicht der Vertreter der Denkmalpflege stelle sich der neue Anbau vor der Längsseite der Kirche „zu mächtig“ dar. Durch die Breite und Höhe des neuen Anbaus seien wesentliche Gliederungselemente der Seitenansicht nicht mehr ablesbar. Vor allem dass der untere Abschluss der Kirchenfenster nicht mehr erkennbar sei, stößt den Verantwortlichen der Denkmalbehörde bis hinauf auf die Ebene des Regierungspräsidiums Karlsruhe nach wie vor auf. Alle Versuche, einen gemeinsamen Kompromiss zu finden, sind bisher gescheitert. Daher ist in unserem Planungsteam nun die Überzeugung gewachsen, dass wir mit dem Bauantrag zunächst die Haltung der Baurechtsbehörde erfragen müssen, um in der Sache weiter zu kommen.

Unser Standpunkt lautet: Der geplante Anbau ist – völlig unabhängig von seinem äußeren Erscheinungsbild – auf Grund der modularen Holzständerbauweise komplett reversibel. Auch bezüglich der Anbindung des Neubaus an die Kirche wurden Lösungen angeboten, die den Eingriff in den Bestand so minimal wie möglich halten. Zudem ist aus unserer Sicht die Seitenfassade der Kirche aufgrund der schon mit historischen Aufnahmen nachzuweisenden dichten Nachbarbebauung niemals dazu angelegt gewesen, wahrgenommen zu werden. Auch in der aktuellen Bebauungssituation vor Ort wird man den künftigen Anbau nur aus einer Perspektive in der Kirchstraße auf der Höhe der Pestalozzi-Schule wahrnehmen können. Der Neubau entlang der Seiten ist sonst von keiner anderen öffentlich zugänglichen Stelle im Straßenraum aus sichtbar.

Für diesen letztgenannten Argumentationspunkt erbitte ich Sie nun um Hilfe. Die Rückmeldungen zeigen mir, dass dieses Bautagebuch von vielen gelesen wird. Darum mein Aufruf: Wenn Sie einen Balkon, ein Giebelfenster oder einen hervorgehobenen Blickwinkel auf Ihrem Grundstück haben, von wo aus man die Kirche gut sehen kann, dann machen Sie davon doch bitte ein digitales Foto. Senden Sie uns dieses bitte per E-Mail auf unsere Pfarramtsadresse sandhausen@kbz.ekiba.de. Mit der Übersendung gehen wir davon aus, dass Sie die Rechte an dem Foto an uns abtreten und wir es in der weiteren Diskussion mit der Baurechtsbehörde und dem Denkmalamt frei verwenden dürfen.

Vielleicht gelingt es, mit Ihrer Hilfe unsere Argumentation zu untermauern. Wir freuen uns auf Ihre Zusendungen mit den für uns sonst unzugänglichen Kirchenansichten aus möglichst vielen verschiedenen Himmelsrichtungen. Danke schon im Voraus für alle, die uns auf diese Weise unterstützen!

Mit herzlichen Grüßen, Bernhard Wielandt, Pfr.  zum Anfang

Eintrag 14, Kalenderwoche 26/ 2018

Vor wenigen Tagen hat sich uns eine neue Mitarbeiterin der Pflege Schönau vorgestellt. Sie wird in unserem Projekt die Buchung der Maßnahmen abwickeln, die rein mit der Bauunterhaltung zu tun haben. Die Innenrenovierung, die mit dem Neubau des Gemeindehauses zusammenhängen, sind nämlich schon sehr früh im Planungsprozess mit notwendigen Erhaltungsmaßnahmen zusammenterminiert worden. Nach dem Motto: Wenn man eh schon dran gehen muss, dann macht man das andere gleich mit. Zu den nötigen Reparaturen zählen vor allem Reparaturen an der Außenfassade. Da man jetzt noch gut an die Hülle des historischen Gebäudes dran kommt, soll jetzt in einer Baustelle zunächst das Gröbste wieder gerichtet werden. Das betrifft Risse im Putz, nötige Steinmetzarbeiten, beschädigte Dachschindeln usw. All diese erkennbaren Witterungsschäden müssen jetzt beseitigt werden – ohne dass wir gleich eine ganze Außensanierung durchführen. Die Architekten unseres aktuellen Bauvorhabens sind damit beauftragt, die gröbsten Ausbesserungen nun gleich mit zu planen. Die Pflege Schönau wird diese Arbeiten dann als Bauunterhaltung gesondert mit uns abrechnen.

Die Tage sind also gezählt, dass die filigrane Fiale aus Sandstein rechts oberhalb des Hauptportals fehlt. Auch die beschädigten Abläufe der Dachentwässerung werden in dem Zuge gleich komplett neu gelegt. Mit dem Austausch der Schwingtüren im Eingangsbereich wird dann endlich auch der Umstand behoben sein, dass das einfache Scheibenglas darin den heutigen Sicherheitsstandards nicht mehr genügt. Und bei Abendveranstaltungen muss man dann nicht länger über die Eingangsstufen ins Dunkle stolpern, wenn man durch den Haupteingang die Kirche verlässt. In all diesen schon vor Jahren angemeldeten Behebungswünschen wurden wir darauf verwiesen, dass doch im Zuge der anstehenden Innenrenovierung eh alles neu gemacht werden solle.

Mit unserem Bauvorhaben können wir also auch elegant einen Sanierungsstau abarbeiten, der in dem langwierigen Planungsprozess inzwischen aufgelaufen ist. Hoffen wir, dass sich nach der Fertigstellung dann nicht gleich wieder neue Handlungsanforderungen auftun!

Hoffen darf man ja wenigstens.

Mit herzlichen Grüßen, Bernhard Wielandt, Pfr.    zum Anfang

Eintrag 13, Kalenderwoche 25/ 2018

Vielleicht haben Sie sich schon gefragt, was während der geplanten Renovierung des Kircheninnenraums mit der Orgel passiert. Unsere Steinmeyer-Orgel ist technisch in einem sehr guten Zustand. Sie wurde erst in naher Vergangenheit aufwändig restauriert und umgebaut. Die letzte handwerkliche Revision hat annähernd 200.000,- € gekostet. Daher ist die Orgel bei der Planung der Kirchenrenovierung von Anfang an ausgeklammert worden. Zur Anpassung an die künftige Raumschale muss höchstens am Gehäuse etwas verändert werden. Sonst wird uns unsere „Königin der Instrumente“ noch lange Dienst tun.

Aber für die Bauphase ist große Achtsamkeit geboten. Denn eine Orgel ist ein luftgestütztes Instrument. Es wird mit der Raumluft betrieben. Sie wird durch das Gebläse ins Innere des mechanischen Meisterwerks eingebracht und gelangt durch Laden und Luftkanäle bis an die Pfeifen aus Holz und Metall, wo sie zurück ins Freie gelangt.

Zwei Dinge sind daher für eine Orgel absolut schädlich: Staub und Feuchtigkeit. Ersteres verunreinigt die Luft-führenden Komponenten, verändert die Strömungsvoraussetzungen und kann bis zur Verstopfung oder Undichtigkeit an den entscheidenden Stellen führen. Damit wäre die Funktionalität und der Klang negativ beeinträchtigt. Feuchtigkeit hingegen verändert die Materialien: Holzteile in der Mechanik oder im pneumatischen System können unkontrolliert aufquellen. Die geschlossene Anlage droht, sich zu verformen oder gar zu reißen. Metall wiederum korrodiert, was besonders in der Mechanik zu hängenden Tönen führen kann.

Aufgrund dieser Warnsignale sind zwei Dinge absolut erforderlich:

  1. Die Orgel muss vor der ersten baulichen Maßnahme im Raum so verpackt werden, dass sie nicht mit Staub oder Feuchtigkeit in Kontakt kommen kann. Dazu dient eine luftdichte Plane ebenso, wie eine Einhausung mit Verbundplatten, die verhindert, dass grober Schmutz in das Gehäuse fällt oder dasselbe durch Fremdeinwirkung beschädigt wird. Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne.
  2. Vor der Inbetriebnahme ist es unerlässlich, dass die Orgel noch einmal gründlich ausgereinigt wird. Dazu müssen die Pfeifen herausgenommen werden, um die Mechanik und das pneumatische System ausblasen und Warten zu können. All das sollte natürlich erst dann geschehen, wenn die frisch renovierte Kirche bereits sauber ist und sich der gröbste Staub gelegt hat.
  3. Nach jeder Ausreinigung muss die Orgel wieder neu intoniert, also gestimmt werden – Pfeife für Pfeife. Bei über 6.000 Stück ist das kein Unterfangen von Stunden, sondern eher von Tagen.

Ersten Schätzungen des Orgelsachverständigen der Landeskirche zufolge werden uns allein diese Maßnahmen zum Schutz des hochwertigen Instruments ca. 20.000,- € kosten. Die Angebote bei einschlägig erfahrenen Orgelbauern werden derzeit bereits eingeholt.

Es ist schon ein Luxus, so ein exquisites Musikinstrument im Gottesdienst zu nutzen. Doch zum Lobe Gottes ist es entwickelt worden. Zum Lobe Gottes soll es auch weiterhin erklingen.

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Eintrag 12, Kalenderwoche 24/ 2018

Konnten Sie im letzten Tagebucheintrag etwas mit dem Stichwort „Grüner Gockel“ anfangen?  Wenn Sie unsere Veröffentlichungen der letzten Monate aufmerksam verfolgt haben, ist Ihnen das bereits ein Begriff: Wir haben uns das Zertifikat für ein kirchliches Umweltmanagement erworben. Wie macht man das? Indem man seine bisherigen Arbeitsabläufe und Verhaltensmuster als Organisation mit sehr verschieden agierenden einzelnen Organen in drei verschiedenen Gebäuden kritisch anschaut und hinterfragt. Wie jeder, der sich auf diesen Weg der Selbstreflexion macht, haben auch wir Verbesserungspotentiale entdeckt und nach selbst gewählten Umweltleitlinien ein Umweltprogramm ausgearbeitet. Dieses stellt eine Art Selbstverpflichtung dar, in den nächsten Monaten und Jahren unser Verhalten in den Bereichen Umweltschutz und Ressourcenorientierung immer mehr zu optimieren. Dazu gehört zum Beispiel konkret, dass wir den Wirkungsgrad unserer Heizungen durch intelligente Eingriffe in die Technik und die Steuerung erhöhen, dass wir künftig in allen Gebäuden die Mülltrennung stärker beachten und uns bemühen, weniger Müll zu produzieren, oder dass wir unseren Einkauf umstellen auf nachhaltige Produkte. Sogar im Kindergarten ist diese umweltbewusste Orientierung zum pädagogischen Standard geworden: Die Erzieherinnen sorgen aktiv dafür, dass die Ideen für einen umweltbewussten Alltag im Rahmen des Programms „Grünes Küken“ schon unsere Jüngsten erreicht.

Sie werden sich vielleicht fragen, warum ich Ihnen das erzähle und was das mit dem Neubau des Gemeindehauses und der Kirchenrenovierung zu tun hat. Dazu muss man wissen, dass wir uns für dieses Umweltprogramm angemeldet haben aus der Motivation heraus, für diese große Veränderung in unserem Immobilienbestand gerüstet zu sein. Denn mit Umweltschutz im Bereich kirchlicher Organisationen geht nicht nur eine gewisse Glaubwürdigkeit im Bezug auf die biblisch empfohlene „Bewahrung der Schöpfung“ einher. Sondern mit Umweltschutz kann man auch aktiv Energie- und Unterhaltskosten senken. Daher sind in die Konzeption unseres Umweltprogramms von Anfang an auch das neue Gemeindehaus und die Kirche mit eingebunden gewesen. Wegen der im Rahmen des „Grünen Gockels“ begonnenen Erhebung der Verbrauchszahlen für Gas, Strom und Wasser liegen uns nun bereits die Referenzzahlen vor, die uns beim Betrieb des neuen Gebäudekomplexes sehr schnell ermöglichen gegenzusteuern, wenn einzelne Verbräuche aus dem Ruder laufen. Bei der Überwachung des eigenen Verbrauchsverhaltens hat sich bis dahin schon eine Routine eingestellt, die eine schnelle Analyse und eine konsequente Reaktion darauf möglich macht.

Der schöne Nebeneffekt ist auch, dass die Landeskirche „Grüne-Gockel“-Gemeinden zusätzlich finanziell unterstützt, sobald sie durch Anschaffungen oder bauliche Veränderungen ihre Ressourcenbilanz verbessern. Wir werden beim Bau des Gemeindehauses von diesen Programmen ebenso profitieren können, wie bei der Ausstattung desselben mit neuen Elektrogeräten. Hier bezuschusst die Landeskirche zum Beispiel alle Neugeräte mit Energieeffizienzklasse A+++ mit 50% der Anschaffungskosten bis zu einer Gesamtsumme von 25.000,- €. Auch diesen Anreiz haben wir von Anfang an mit der Vision verbunden, das neue Gemeindehaus auch trotz höherer Anschaffungskosten sofort mit energiesparenden Geräten ausstatten zu können. Es hat sich also gleich in mehrerlei Hinsicht gelohnt, sich in Sachen umweltbewusstes Handeln zertifizieren zu lassen. So sind nicht nur in der Bauweise die Weichen auf ein umweltbewusstes Handeln gestellt, sondern vor allem für den künftigen Betrieb und unser Nutzerverhalten.

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Eintrag 11, Kalenderwoche 23/ 2018

Neulich, in einer Gesprächsrunde anlässlich eines Geburtstagsbesuches erzählte ich von den Hürden, die wir noch im Planungsprozess zu überwinden haben. Da warf einer ein: „Na, hoffentlich findet nicht irgendwer noch eine seltene Eidechse! …“ Darauf angesprochen, erinnerte ich mich an den Schrecken, den wir bekamen, als 2016 im Rahmen einer routinemäßigen Sicherheitsbegehung im Dachraum der Kirche Kot von Fledermäusen gefunden wurde. Die erste Einschätzung des Sicherheitsbeauftragten lautete, dass diese Art von Exkrementen gesundheitsschädlich sei. Und er empfahl uns, sowohl den Dachraum professionell reinigen zu lassen als auch Kontakt aufzunehmen mit einer Fachkraft aus dem Bereich Naturschutz. Das haben wir auch befolgt und umgehend Bekanntschaft mit dem Umweltschutzbeauftragten des Landkreises gemacht, der bei einer Ortsbegehung das Einflugsloch in einer der alten Dachgauben ausfindig gemacht hat. Diese sind fast überwiegend mit Hasendraht zugenagelt. Nur eine Gaube wies an der Stelle ein großes Loch auf, durch das die Tiere vermutlich eingeflogen sind, um den schützenden Dachraum als Schlafplatz zu nutzen. Der Umweltschutzbeauftragte fand trotz intensiver Suche an den geeigneten Balken keine Fledermäuse. Dennoch verfügte er, dass das Loch keinesfalls geschlossen werden dürfe und klärte auf, dass er den Dachraum ein Jahr lang auf Bevölkerung durch Fledermäuse untersuchen müsse. Erst wenn 12 Monate lang keine Aktivität festzustellen sei, könne das Loch wieder mit Hasendraht verschlossen werden. Zu diesem Zweck werde er mit einem empfindlichen Messgerät außerhalb der Kirche in regelmäßigen Abständen kontrollieren, ob er die für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbaren Überschallgeräusche der Tiere empfangen könne. Zudem nahm er eine Probe der gefundenen Ausscheidungen mit, um anhand der darin enthaltenen tierischen Überreste die Nahrungspalette der Flugsäuger und darüber die genaue Unterart derselben bestimmen zu können. Wenige Wochen nach dem Termin kam tatsächlich die Bestätigung, dass es sich um schützenswerte Fledermausarten handelte, die vorübergehend in unserer Kirche zu Gast waren.

Meine Sorge galt natürlich sofort den geplanten Umbaumaßnahmen. Darauf angesprochen, verfügte der Umweltschutzbeauftragte des Landkreises, dass überhaupt keine Arbeiten im Dachraum ausgeführt werden dürften, solange nicht geklärt sei, ob der Unterschlupf noch von den Tieren genutzt werde. Also ließen wir das Einflugsloch unberührt. Lediglich der Fledermauskot wurde fachgerecht beseitigt, auch wenn der Kontakt nach Aussage des Umweltbeauftragten völlig unbedenklich sei.

Wie ging die Geschichte aus? Nach Ablauf eines Jahres ergab meine Rückfrage bei besagtem Sachverständigen, dass er keine Aktivität von Fledermäusen im Dachraum der Kirche feststellen konnte. Er gab also die Erlaubnis, das Loch zu schließen. Das war auch höchste Zeit, denn inzwischen hatte sich ein ganzer Taubenschwarm durch dieselbe Öffnung Zugang zum Dachraum verschafft und bereits eifrig mit dem Brüten begonnen. Die entsprechenden Hinterlassenschaften waren deutlich umfangreicher und gesundheitsgefährdender als der Kot von Fledermäusen. In dem Fall durften wir jedoch die Tiere aktiv verjagen und endlich das besagte Loch fachgerecht schließen lassen. Jetzt hoffe ich sehr, dass uns keine weiteren tierischen Besucher in die Quere kommen – „Grüner Gockel“ hin oder her.

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Eintrag 10, Kalenderwoche 21/ 2018

Wer an den letzten Sonn- und Feiertagen in der Kirche war, dem ist bestimmt der mit Klebeband fixierte blaue Teppich-Fleck auf dem Boden im zentralen Mittelgang aufgefallen. Was nicht unbedingt ästhetisch hochwertig ist, verbirgt eine Stolperfalle, die sich kurzfristig aus einer Bodenprobe ergeben hat. Ein dafür beauftragtes Ingenieurbüro hat an sechs Stellen den Bodenaufbau in der Kirche untersucht. Dafür wurden Bohrkerne mit einem Durchmesser von ca. 8 cm ausgefräst. Die Sondierungsstellen befinden sich im Altarraum, vor dem Übergang zur Sakristei, links vor dem Seitenausgang, im Mittelgang oder im nördlichen Treppenhaus zur Empore. Befundet wurden jeweils die Stärke der Bodenplatte, ihre Materialität und Qualität, sowie die Schicht darunter. Alle Bohrkerne wiesen unter dem jeweiligen Belag aus Steingutfliese oder Sandstein ca. 15 cm mageren Estrich auf, der beim herauslösen aus der Bohrkrone zerbröselte. Darunter befindet sich entweder reiner Sand oder (im Falle des besagten Bohrloches im Mittelgang) der Lüftungskanal, über den aus dem hinteren Kirchenschiff die Kaltluft zurück zur Heizung zirkuliert. Da der Verlauf dieses Kanals nirgends verzeichnet war, wurde er bei der Bodenprobe gleich kräftig mit angebohrt.

Mit dieser Untersuchung ist nun klar, dass die alte Betonplatte in der Kirche nicht geeignet sein wird, den neuen Bodenaufbau zu tragen. Sie wird ausgetauscht werden müssen. Die notwendigen Kosten dafür haben die Architekten bereits eingeplant. Es wird nun nur noch statisch zu begutachten sein, was es mit dem restlichen Gebäude macht, wenn man temporär einfach komplett die ganze Bodenplatte entnimmt.

Nach der Untersuchung wurden die Befundungslöcher mit einem so dünnen Estrichgemisch wieder verfüllt, dass sich beim Drauftreten feine und mittelgroße Kiesteile lösten. Auf dem umliegenden Fliesenboden stellten die losen Partikel eine nicht zu unterschätzende Rutschgefahr dar. Unsere kurzfristige Reklamation bei der Firma hat zumindest eine marginale Verbesserung erwirken können. Aber zur Sicherheit haben wir das Bohrloch an der am häufigsten frequentierten Stelle mit der oben beschriebenen Teppichfliese zugeklebt. Nicht auszudenken, wenn da beim Einmarsch der Konfirmanden, beim Kirchen-Café oder bei den zahlreichen Hochzeiten in den Sommermonaten jemand hinfällt.

Inzwischen ist das Gutachten erstellt und wir haben uns die ausgefrästen Scheiben der Bodenbeläge geholt. Zunächst war geplant, sie wieder selbst mit Fliesenkleber einbringen zu können. Sie sind aber so ausgeschlagen und beschädigt, dass der Kirchendiener die Idee verworfen hat. Es sind in den weitläufigen Kellergewölben des Wichernhauses jedoch noch Ersatzfliesen auffindbar gewesen. Mit diesen konnten die Löcher komplett abgedeckt werden. Damit ist auch der blaue Farbtupfer im Mittelgang wieder verschwunden und die Gefahr für alle Besucher eingedämmt.

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Eintrag 9, Kalenderwoche 19/ 2018

Wenn ich schon von der Vermarktung des Wichernhausgeländes schreibe, dann muss an dieser Stelle ergänzt werden, dass wir natürlich nicht das komplette Gelände hinter der Kirche aufgeben. Die vorhandene Grünfläche rechts neben dem Wichernhaus und ein zusätzlicher Streifen vom angrenzenden Freigelände des alten Wichernkindergartens bleiben der Gemeindearbeit erhalten. Das verbleibende Grundstück wird gleich mehrere Funktionen abdecken:

  1. Für das neu zu errichtende Gemeindehaus müssen wir im Baurechtsverfahren Parkplätze nachweisen. Diese sollen auf der Freifläche westlich der Kirche realisiert werden. Damit die Kirche auch von dieser Seite her barrierefrei zugänglich ist, werden wir den vorhandenen Höhenunterschied neben einer neu zu errichtenden Treppenanlage künftig mit einem Aufzug überwinden helfen. So können auch hinter der Kirche zwei behindertengerechte Parkplätze eingerichtet werden. Ein weiterer ist vor der Kirche auf der Seite zur Pestalozzi-Schule geplant.

Die Anzahl der nachzuweisenden Parkplätze hängt übrigens von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Dazu zählt u.a. welchen Charakter das Gebäude hat oder dass in zumutbarer Fußläufigkeit ein Anschluss an den öffentlichen Personennahverkehr gewährleistet ist. Mich hat erheitert lernen zu dürfen, dass man auch drei PKW-Stellplätze mit 38 Fahrradstellplätzen aufwiegen kann.

  1. Für die Kinder- und Jugendarbeit soll auch künftig genügend Freifläche zum Spielen sein.
  2. Bei Gemeindefesten wollen wir auch künftig in der Lage sein, ein Zelt oder eine ausreichende Anzahl an Festgarnituren stellen zu können.

Die rückseitige Ansicht soll sich übrigens kaum verändern. Es wird zwar notwendig sein, einen Teil der historischen Mauer zunächst abzutragen, weil geplant ist, auf der Höhe des heutigen Geräteschuppens die Haustechnik für Kirche und Gemeindehaus unterzubringen. Aber die neue Treppenanlage samt Aufzug sollen künftig frei davor gebaut werden.

Ursprünglich war vorgesehen, die ganze Mauer abzutragen und dann mit integriertem Keller samt Treppenanlage wiederaufzurichten. Aber davon sind die Planer inzwischen wieder abgekommen. Sowohl eine denkmalsensible Haltung als auch wirtschaftliche Erwägungen spielen dabei eine Rolle.

In dem Zusammenhang wurde ich wieder auf einen nicht unwesentlichen juristischen Zusammenhang aufmerksam: Wir haben unsere Ansprechpartnerin der „Evangelischen Stiftung Pflege Schönau“ gefragt, ob diese das erneute Errichten der alten Sandsteinmauer finanziell mittragen würde. Hintergrund ist, dass in dem an dieser Stelle (Bautagebuch, Eintrag 3) schon erwähnten Baubeschrieb die westliche Kirchenmauer als Bestandteil der Unterhaltspflichten der ESPS aufgelistet ist. Die Anfrage wurde uns ablehnend beschieden. Das Abbrechen der alten Mauer geschehe auf Initiative der Kirchengemeinde und sei nicht als Erhaltungsmaßnahme einzustufen. Mit der Neuerrichtung wäre die Mauer faktisch für immer aus der Baupflicht der ESPS herausgefallen. Daher lassen wir die Mauer so weit wie möglich stehen und sanieren sie nur. Und der Teil, den wir wegen des Heizraums abbrechen müssen, den finanziert die ESPS automatisch wieder mit 60% mit. Weil im Baubeschrieb steht, dass bei Baumaßnahmen an der Heizungsanlage die Stiftung in diesem Umfang mit beteiligt ist. Die schon beschworene schwierige Ausdifferenzierung der Kostenanteile zwischen Kirchengemeinde und der Stiftung hat also längst begonnen.

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Eintrag 8, Kalenderwoche 19/ 2018

Wenn ich mit Gemeindegliedern oder Mitarbeitenden über unser großes Bauvorhaben ins Gespräch komme, steht eine Frage ganz weit im Vordergrund: „Was wird dann aus dem Wichernhaus?“ Viele verbinden mit diesem Gebäude Kindheitserinnerungen im Bezug auf den Wichernkindergarten oder prägende Erlebnisse aus der Jugendzeit. Andere denken gerne an gemeinsame Veranstaltungen im großen Saal, an Gemeindefeste, Flohmärkte oder öffentliche Anlässe. In diesem Haus wurde auch viel miteinander diskutiert oder gearbeitet. Viele Stunden des persönlichen Lebens werden in den Gesprächen wieder ganz präsent.

Daher verstehe ich die Frage nicht nur als reinen Wissensdurst oder berechtigte Neugier. Mit ihr geht gleichsam die Bewusstwerdung einher, dass sich jede und jeder individuell von einem vertrauten Ort aus der eigenen Biographie verabschieden muss. Unsere evangelischen Gebäude wie das Wichernhaus oder die Christuskirche sind bei vielen Gemeindemitgliedern unangefochtene Platzhalter für ihre eigene Kirchlichkeit. Sie garantieren das evangelische Engagement vor Ort und geben auch den Menschen ein Gefühl der Zugehörigkeit und Heimat, die nicht ganz so stark mit den kirchgemeindlichen Gruppen und Verantwortlichen vernetzt sind.

Daher machen mir die Berichte über persönliche Erinnerungen meiner Gesprächspartner deutlich: Wir befinden uns schon mitten in einem Ablöse- oder gar Trauerprozess. Und dazu gehört: Man kann nicht nur von dem neu Geplanten erzählen und hoffen, dass sich alle anstecken lassen von der eigenen Überzeugung oder gar Begeisterung. Man muss auch immer wieder neu zuhören und die unterschiedlichen Wege ganz persönlicher Löseprozesse mitgehen. Unser Bauprojekt stellt nicht nur ein Zukunftsprojekt dar, das viele baulichen, sicherheitstechnischen und vor allem wirtschaftlichen Probleme von uns abwendet. Sondern es muss auch als ein Veränderungsprozess gesehen werden, der die Menschen berührt und der es nötig macht, sie mit seelsorglicher Sensibilität in ihren Befindlichkeiten ernst zu nehmen. Ein Teil meines Bautagebuchs ist auch dieser Erkenntnis geschuldet. So ist es vielleicht möglich, den Abschied alteingesessener Gemeindeglieder zu würdigen, indem alte und neue Geschichten diesen Veränderungsprozess flankieren.

Ich will hier aber auch gerne noch die eingangs zitierte Frage beantworten: Im Gebäudeoptimierungsplan der Kirchengemeinde wurde – auch unter klarer Zustimmung der befragten Gemeindeversammlung – festgelegt, das Wichernhaus abzureißen und das Gelände zu vermarkten. Zu diesem Zweck haben wir bereits mit einem Immobilienberater Kontakt aufgenommen, der uns bei dieser Vermarktung berät und uns bei den Schritten der Umsetzung fachkundig betreut. Eine endgültige Entscheidung in diesem Bereich ist jedoch erst möglich, wenn die Fertigstellung des Neubaus absehbar ist. Das wird frühestens Anfang 2020 der Fall sein.

Mit herzlichen Grüßen, Bernhard Wielandt, Pfr.  zum Anfang

 


Eintrag 7, Kalenderwoche 18/ 2018

Wussten Sie eigentlich, dass es regionale Unterschiede in der Verköstigung von Gästen gibt? Das jedenfalls beteuern die Architekten, die bei uns zur monatlichen Baubesprechung zusammenkommen.Als ich unserer Sekretärin das letzte Mal den neuen Besprechungstermin bekanntgegeben habe, damit sie im Buchungssystem für die Sitzung den Raum reserviert, fragte sie: „Für eine Stunde?“ Ich musste spontan lachen, da wir in diesen Runden bisher niemals unter zwei Stunden zusammengesessen sind. Manchmal haben wir auch schon so engagiert diskutiert und beraten, dass wir am Ende fünf Stunden gebraucht haben. Wer ist denn da alles dabei, mögen Sie sich vielleicht fragen. Nun, zur Stammbesetzung zählen zwei Vertreter des Architekturbüros Wulf aus Stuttgart, die uns zugeordnete Gebietsreferentin aus dem Bauamt des Evangelischen Oberkirchenrats, der Projektsteuerer der prokiba (Gesellschaft für Projektentwicklung und Projektsteuerung für kirchliches Bauen in Baden mbH) und zwei Mitglieder aus dem Kirchengemeinderat als Bauherrenvertreter. Dazu kommen temporäre Fachleute, Ingenieure, Repräsentanten der öffentlichen Hand oder Gäste zu den jeweiligen Themen. Durch die Länge der Sitzungen haben es inzwischen alle Beteiligten zu schätzen gelernt, dass es bei uns immer ein reichliches kulinarisches Angebot gibt: Jedes Mal etwas Süßes und etwas Salziges, oft auch Obst und dazu Kaffee, Wasser und Saft.

Es wurde uns schon von unterschiedlicher Seite versichert, dass es zum Beispiel im Schwäbischen oder in anderen badischen Regionen weit weniger gastlich zugehe. Wenn’s mal eine Brezel gebe, dann trocken, gewiss nicht mit Butter. Früher hatten sich einige der Projektbeteiligten vor der Sitzung noch zum Bäcker begeben, um einmal verstohlen in die Semmel beißen zu können, falls die Sitzung länger dauert. Inzwischen verlassen sich alle darauf, dass die Versorgung gewiss wieder stimmt. Da zum Ende der Beratung immer noch was übrig ist, reicht es sogar noch für Proviant auf die Hand, wenn sich die weitgereisten Teilnehmer wieder auf den Heimweg machen.

Ein wenig erinnert mich das an Martin Luther, von dem nach der Heidelberger Disputation im Frühjahr 1518 überliefert ist, er sei aus der Kurpfalz „wohl gesättigt“ von dannen gezogen. Waren auch die Professoren an der Heidelberger Theologischen Fakultät von Luthers Ansichten wenig begeistert, so hatte der Kurfürst den jungen Mönch jedoch freundlich empfangen und fürstlich bewirten lassen. Schließlich lehrte der Bruder des Kurfürsten auch als Professor in Wittenberg an der Universität und war mit Martin Luther befreundet. So war die anstrengende Reise in den Süden für den künftigen Reformator wenigstens kulinarisch ein Erfolg.

Ja, dadurch hebt sich die Kurpfalz bis heute hervor: Durch ihre gastliche Offenheit. Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen. Das weiß man hier. Bis jetzt stimmt die Chemie inhaltlich und menschlich in der Runde der Projektleitung. Die ansprechende Bewirtung trägt sicherlich ihren Teil dazu bei.

Mit herzlichen Grüßen, Bernhard Wielandt, Pfr.     zum Anfang


Eintrag 6, Kalenderwoche 17/ 2018

Apropos Denkmalpflege – in der Beziehung ist unser Bauprojekt noch längst nicht in trockenen Tüchern. Obwohl der für unsere Region zuständige Vertreter der Denkmalpflege bereits als Gast am Architektenwettbewerb teilgenommen hatte und somit alle alternativen Konzeptideen mit ihren Stärken und Schwächen auch gesehen hat, hegt er gegen unser Bauvorhaben in mehreren Punkten große Bedenken. Im Einzelnen sind die Konfliktpunkte aus seiner Sicht folgende:

  1. Die beiden neu geplanten Gebäudeflügel entlang der beiden Seitenflanken des historischen Gebäudes seien zu opulent. Sie würden die ursprüngliche Fassadenansicht zu sehr verdecken. Vor allem der Umstand, dass die unteren Abschlüsse der Kirchenfenster nicht mehr erkennbar wären, bereite ihm Bauchschmerzen. Auch von der Formsprache und Ausgestaltung drängten sich die neuen Gebäudeteile zu sehr in den Vordergrund.
  2. Da der ganze künftige Gebäudekomplex auf einer Ebene geplant ist, um die behindertengerechte Erschließung nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb des Gebäudes lückenlos zu gewährleisten, „versinke“ die ganze Kirche optisch in dem neu geplanten Vorplatz der Kirche. Der alte Sockel sei damit nicht mehr sichtbar.
  3. Zudem könnten sich bauphysikalische Schwierigkeiten an den Stellen ergeben, wo bisher geplant ist, dicht an das alte Gebäude dranzubauen. Es gebe wohl genügend Beispiele dafür, dass man sich durch spätere unsensible Ein- oder Anbauten an historische Gebäude feuchtes Mauerwerk einhandle, was dann aufsteigende Salze oder gar Schimmelbildung zur Folge haben könne.
  4. Unser Konzept erfordert zusätzliche Mauerdurchgänge, um das neue Gebäude an das alte sinnvoll anzuschließen. Jetzt besteht im Bereich der nachträglich angebauten Sakristei bereits ein solcher nachträglich erfolgter Durchbruch, der auch im neuen Konzept weiterverwendet werden soll. Aber unser Konzept erfordert drei weitere solcher Anschlüsse neben den bestehenden Türen. Jeder dieser künftigen Übergänge zwischen altem und neuen Gebäudeteil stellt jedoch wieder einen Eingriff in die alte Bausubstanz dar, der bestehende Teile des aktuellen Zustands unwiederbringlich zerstöre.
  5. Im Kircheninnern sieht unser Konzept eine Bestuhlung vor. Damit stellt sich dem Denkmalpfleger die Frage nach dem Bankspiegel. Da die Bänke nicht mehr aus dem historischen Bestand sind, sind sie nach Einschätzung des Denkmalpflegers nicht schützenswert. Aber die Bankpodeste, auf denen sie seit der ersten Innenraumkonzeption stehen, sollten erhalten bleiben.

Soweit mal die gröbsten Differenzen im derzeitigen Konsultationsprozess.

Ich habe bei den bisherigen Gesprächen wieder gemerkt, wie unterschiedlich man an dieses Thema herangehen kann. In den Diskussionen über einen würdigen Umgang mit unseren Denkmälern ist immer wieder die Frage: Wie wird man einem historischen Gebäude eigentlich gerecht? Indem man jede Veränderung als Eingriff in den Bestand und damit als Bedrohung des historischen, kulturellen und spirituellen Erbes versteht? Oder indem man den Versuch unternimmt, einem Gebäude durch Ideen zur Nutzungsintensivierung und Neuinterpretation auch für die künftigen Jahre wieder größere Relevanz, neue Bedeutungstiefe oder Prägekraft zuzuweisen? Je nach dem, wie man an sich in dieser Frage positioniert, entsteht durch die kontroverse Diskussion schnell die Gefahr, dass es je nach Entscheidung nur Gewinner oder Verlierer gibt.

Wir sind aktuell noch auf der Suche nach Kompromissen. Ich hoffe sehr, dass es uns gelingt, entschlossen an der grundsätzlichen Konzeptidee festzuhalten, aber gleichzeitig sensibel mit den Bedenken der Denkmalbehörde umzugehen. Entschieden wird letztendlich auf der Ebene der Baurechtsbehörde im Landratsamt. Bis Ende Mai wollen wir den Bauantrag stellen. Bitte drücken Sie uns die Daumen, dass wir zu einer einvernehmlichen Lösung kommen und unser Zeitplan nicht aufgrund dieser Problemlage erneut durcheinander gerät!

Mit herzlichen Grüßen, Bernhard Wielandt, Pfr.    zum Anfang


Eintrag 5, Kalenderwoche 16/ 2018

Die Geschmäcker sind verschieden. Und weil das so ist, brauchen wir nun eine neue Restauratorin. Aber erst mal der Reihe nach: Wenn man ein denkmalgeschütztes Gebäude renovieren will, ist es Vorschrift, einen Restaurator oder eine Restauratorin einzuschalten. Diese baufachlichen Spezialisten untersuchen, welche ursprüngliche Fassung und welche Bearbeitungsschichten ein Gebäude aufweist. In unserem Fall sind das schon einige. Nur bezogen auf die Farbgebung kann man grob vier Fassungen voneinander unterscheiden:

  1. Da gibt es die ursprüngliche Ausmalung im neugotischen Stil aus dem Jahr 1866 mit bemalten Sockelzonen und floralen Rankenmalereinen entlang der Fester und an der Decke.
  2. Eine erste Überarbeitung im Jugendstil kam 1912 dazu: In dieser Zeit erhielten u.a. die beiden Wandflächen rechts und links neben dem Altarraum schwebende Engel mit Spruchbändern.
  3. All diese farbenfrohen Elemente hat man 1966/67 komplett in einheitlichem Weißton übermalt. Man hatte sich wohl satt gesehen an der Farbenpracht und baute auf schlichter Klarheit, die den Innenraum der Kirche sicherlich enorm aufgehellt hat. Komplettiert wurde diese nüchterne Farbgestaltung durch eine eingezogene Faltdecke in dunkel gebeiztem Holz und einen rötlich marmorierten Steinfliesenboden.
  4. Der letzte große Eingriff betraf erneut die Wandgestaltung: Auf die weiß getünchten Einheitsflächen wurde 1983 um die Fenster und den Altarbogen eine Rankenmalerei nach altem neugotischem Vorbild aufgetragen. Die Sockelbereiche jedoch blieben deutlich zurückhaltender gestaltet, als das bei der ursprünglichen Bemalung der Fall war. Schon diese Nachbildung stützte sich auf umfangreiche restauratorische Farbuntersuchungen.

Auch wir müssen uns überlegen, wie die Kirche künftig innen aussehen soll. Darum wurde auch im Vorfeld der anstehenden Innensanierung eine Restauratorin beauftragt, die Historie der Kirche darzustellen und eine Empfehlung auszusprechen, wie mit den verschiedenen Gestaltungsvarianten umgegangen werden könnte. Und siehe da: In ihrem Exposé empfahl sie uns, die Farb- und Formgebung der 60er Jahre beizubehalten. Erstens einmal sei diese Fassung auch durch die vorhandenen Elemente wie Altar, Taufstein, Bänke, Decke und Emporenbrüstungen am besten bezeugt. Und zweitens seien die restlichen Zeugnisse der neugotischen Fassung von 1866 zu sehr beschädigt und eine Wiederherstellung zu teuer. Durchaus nachvollziehbar.

Nun hatten wir uns jedoch bereits im Planerteam und im Kirchengemeinderat darauf verständigt, dass wir die Zwischendecke entfernen wollen, wenn es eine Idee gibt, wie man mit den vorhandenen Beschädigungen sinn- und stilvoll umgehen könnt. Dahingehend fragten wir bei der betreffenden Restauratorin an, ob sie uns auch nach dieser Grundsatzentscheidung gegen ihr Votum weiter mit ihrer Fachkenntnis begleiten will. Sie hat höflich abgelehnt. Sie akzeptiere unsere Entscheidung, könne aus denkmalethischen Gründen das Projekt aber leider nicht weiter betreuen. Wir werden uns also nach einem neuen Restaurator umschauen müssen.

Im Übrigen: Der zuständige Vertreter des Denkmalschutzes stufte die in der Kirche vorhandene Farb- und Formgebung aus den 60iger Jahren nicht als denkmalwürdig und schützenswert ein. Geschmäcker sind eben verschieden.

Mit herzlichen Grüßen, Bernhard Wielandt, Pfr.    zum Anfang


Eintrag 4, Kalenderwoche 15/ 2018

„Wer Gott dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut.“ So singen wir in einem alten Kirchenlied und erinnern uns dabei an das Ende der Bergpredigt Jesu. Dort vergleicht Jesus einen frommen und gottesfürchtigen Menschen mit jemandem, der sein neues Haus auf Fels statt auf Sand baut (Mt 7, 24-27). Nun hat man in Sandhausen keine andere Chance. Der alte Flugsand ist nunmal allgegenwärtig – auch auf dem Kirchbuckel. Um die Gründung der neu geplanten Gebäudeteile rund um die Kirche richtig auslegen zu können, wurde im Februar ein neues Bodengutachten erstellt, dessen Ergebnisse nun vorliegen. Mit leichten und schweren Rammsonden wurde an fünf verschiedenen Stellen auf dem Kirchgelände die Bodenbeschaffenheit untersucht. Bis zu 5 Meter in die Tiefe wurde die Sonde jeweils eingerammt, um mittels des gewonnenen Bohrkerns Aussagen über die Standfestigkeit künftiger Anbauten treffen zu können. Und wen wird es überraschen: Gefunden wurde Sand, nichts als trockener, schwach bis mittel verdichteter Sand. In einer ersten Schicht von ein bis zwei Meter Tiefe findet sich angeschüttetes Material, das sich von seiner Qualität nicht von der tieferen etwas stärker verdichteten Schicht des ursprünglichen Bodens unterscheidet. Auf diesem Boden lässt sich belastbar bauen, wenn man die örtlichen Begebenheiten beachtet. Das wird Ortsansässige wenig überraschen. Interessant waren jedoch auch die Ergebnisse der vier verschiedenen Baggerschürfe, die im Rahmen des Gutachtens zur Untersuchung der vorhandenen Kirchenfundamente gemacht wurden. Auf beiden Seiten des Kirchenschiffs wurde jeweils an zwei Stellen bis zu 2,6 Meter tief gegraben. An allen vier Stellen zeigte sich das Fundament aus Sandstein unversehrt. Also auch ein altehrwürdiges Gebäude kann auf Sandboden 150 Jahre standhalten, wenn es richtig gegründet ist. Das macht Mut für alles, was wir in unserer heutigen Zeit anfügen.

Der Ingenieur, der die Messungen durchgeführt hat, hatte übrigens seine eigene Theorie darüber, woher die Christuskirche ihre Risse hat: Aufgrund der exzellenten Wasseraufnahme des Bodens und der rollenden Eigenschaften der Sandkörner läuft ein Gebäude hier immer Gefahr, bei schlechter oder fehlgeleiteter Entwässerung unterspült zu werden. Da die Abläufe der Dachentwässerung der Kirche schon seit Jahren schadhaft sind, einzelne Rohre sogar frei liegen, sei eine Unterspülung des Fundamentes durchaus im Rahmen des Möglichen.

Ob seine Theorie stimmt oder nicht: Wir haben beschlossen, mit der nötigen Entwässerung des neuen Gebäudes auch die alte Dachentwässerung komplett zu sanieren. Hoffen wir, dass damit die Gefahr verringert ist, dass die Risse an der Christuskirche größer werden.

Mit herzlichen Grüßen, Bernhard Wielandt, Pfr.                zum Anfang


Eintrag 3, Kalenderwoche 13/ 2018

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Diese Haltung, die auch Stalin zugesprochen wird, begegnet mir sonst bei den Kontakten mit Institutionen und kirchlichen Entscheidungsebenen. Vor allem, wenn es um Geld geht, um viel Geld. Bei der Kostenverteilung unseres Bauprojektes erleben wir als Gemeinde in einem Punkt eine überraschende Ausnahme von der Regel: Die finanziell mitverantwortliche „Evangelische Stiftung Pflege Schönau“ (ESPS) hat bereits zu Beginn der Planungsphase bei der Sortierung der Zuständigkeiten und Befugnisse erklärt, dass sie unserer Kirchengemeinde das Recht (und die Pflicht) der Bauherrin allumfänglich und vorbehaltlos zugesteht. Das ist umso bemerkenswerter, als es diesen Fall bisher so noch niemals gegeben hat. Bei bisherigen Bauvorhaben, in denen die Last der Bauunterhaltung auf der ESPS ruhte, hat bei allen Planungsschritten eine Vertreterin oder ein Vertreter die Interessen der Stiftung beobachtet. Uns wird hingegen zugestanden, dass wir auch in den Bereichen frei entscheiden können, die finanziell zu Lasten der Stiftung gehen. Das ist in der Tat – selbst in kirchlichen Kreisen, wo man es mit der Finanzaufsicht lange Jahre nicht immer ganz so ernst genommen hat – ein großer Vertrauensvorschuss.

Zum Hintergrund muss man wissen, dass die Christuskirche zwar Eigentum der Kirchengemeinde ist. Das Gelände, auf dem sie steht, ist aber weiterhin Grund der ESPS. Uns ist also die freie Nutzung zu Zwecken der Gemeindearbeit zugestanden. Darum dürfen wir auch das neue Gemeindehaus auf diesem Grundstück realisieren. Zudem trägt die ESPS aber auch wesentliche Kosten zur Instandhaltung des historischen Gebäudes. Im rechtsgültigen „Baubeschrieb“ zwischen der Stiftung und der Kirchengemeinde sind die gegenseitigen Pflichten detailliert beschrieben. Dort heißt es:

„Nach dem für die Christuskirche bestehenden Baulastenbeschrieb sind wir als Rechtsnachfolgerin des Unterländer Evangelischen Kirchenfonds baupflichtig zur Kirche mit Inngebäude (Kanzel, Altar, Gestühl), Turm, Glockenstuhl und Umfassungsmauer der Kirche ohne die 1929 neu erstellte Kirchhofsmauer.

Die Evangelische Kirchengemeinde Sandhausen trägt die Baupflicht für das im Jahr 1960 auf Kosten der Kirchengemeinde erstellte und an die Kirche angebaute Sakristeigebäude, den Taufstein, die Orgel, die Glocken, die Außenanlage, die 1929 neu erstellte Einfriedigung. Die Fronpflicht der Kirchengemeinde beträgt 8 %.

Darüber hinaus sind die Kosten für gewünschte Einbauten (Schränke, Garderobe, usw.), Liedanzeige, Lesepult / Ambo, Kerzenleuchter, Altarkreuz, Bankauflagen, Sauberlaufmatten von der Kirchengemeinde zu tragen.

Im Bereich der neuartigen Baubedürfnisse (Heizung, Schutz- bzw. Vorverglasungen, Beleuchtungskörper, Wärmedämm-Maßnahmen, Windfänge, Beschallungsanlagen, Toiletten-Anlagen sowie Baumaßnahmen zur barrierefreien Erschließung) ist entsprechend §4 der Durchführungsbestimmungen zum Kirchenbaugesetz eine Kostenteilung zwischen uns (60%) und der Kirchengemeinde (40%) vorzunehmen.“

An den künftigen Kosten der Kirchenrenovierung wird sich die ESPS also je nach Gewerk und Zuständigkeit mit 40% bis 92% beteiligen. Das macht die Kostenaufteilung am Ende für die jeweiligen Sachbearbeiter sehr aufwändig. Aber letztlich profitieren wir als Gemeinde in finanzieller Hinsicht gewaltig. Und dann haben wir auch noch große Freiheiten in der Rolle als Bauherrin. Wenn das kein Privileg ist!

Mit herzlichen Grüßen,  Bernhard Wielandt, Pfr.             zum Anfang


Eintrag 2, Kalenderwoche 11/ 2018

Zeit ist relativ – hat mal ein schlauer Mensch gesagt. Das trifft wohl auch auf Zeitpläne zu, die im Rahmen eines Bauvorhabens entstehen. Nach vagen Aussagen zu Beginn des Planungsprozesses sollte schon im Sommer 2018 mit dem Bau begonnen werden. Wir hatten vom Pfarrbüro aus schon erste Planungen unternommen, wie wir die Zeit ohne eigene Kirche überbrücken könnten: Von der katholischen Schwestergemeinde vor Ort wurde in aller ökumenischen Gastlichkeit signalisiert, dass wir gerne in den beiden katholischen Kirchen zu Gast sein dürften. Unseren künftigen Brautpaaren haben die Sekretärinnen daher bei der Terminanfrage immer wieder ihr Sprüchlein aufgesagt, dass wir nach alternativen Trauorten suchen müssten. Für die Trausaison im Sommer 2018 war denn auch fast schon alles geplant und Ausweichorte jeweils festgelegt. Doch dann kam der vorübergehende Planungsstopp. Nur soviel vorweg: Dieser ist inzwischen wieder aufgehoben. Trotzdem hat uns diese Phase in den nötigen Vorklärungen viel Zeit gekostet.

Was war passiert? Die Finanzverwaltung im EOK wollte von unserem Verwaltungs- und Serviceamt haarklein vorgerechnet bekommen, ob wir uns ein neues Gebäude überhaupt auch mittelfristig im Unterhalt leisten können. Im Hintergrund spielt natürlich auch der Umstand eine Rolle, dass wir wegen der Unwägbarkeiten bis zum Abschluss unseres Gebäudeoptimierungsprozesses im Haushaltssicherungsverfahren der Landeskirche stecken. Dieses besagt, dass die Gemeinde bei absolut desaströser Haushaltslage von landeskirchlichen Mitteln gestützt wird. Damit es aber zu so einer Schieflage gar nicht erst kommt, unterstehen wir dem Argusauge einer scharfen Finanzkontrolle. Nebenbei bemerkt: Dieser Umstand ist nicht nur Last. Er hat auch Vorteile: Zum Beispiel ist die Bezuschussung der Baukosten für uns auf dieses Weise um 10% höher.

Was sind die finanziellen Risiken? Zum einen fließen unsere Rücklagen in den Neubau. Dadurch haben wir für den laufenden Haushalt keine Zinsen mehr. (Die Geldanlage kirchlicher Körperschaften ist aufgrund von Altverträgen einer langfristigen Geldpolitik bisher immer noch profitabel.) Und zum anderen müssen für ein deutlich hochwertigeres Gebäude künftig über die jeweils aktuellen Haushalte Zins und Tilgung erwirtschaftet werden. Durch diese Problemstellungen ergibt sich ein kompliziertes Rechnungswerk, das einige Zeit und Überlegung bedurfte. Erst nachdem wir aus dieser Richtung ein kalkulierbares Risiko signalisiert bekommen hatten, durften wir von der bisherigen Grobplanung in die Entwurfsplanung übergehen.

Und schon war wieder ein halbes Jahr ins Land gezogen. Zeit ist eben relativ. Der aktuelle Rahmenterminplan gibt das Ziel vor, ab Mai 2019 mit dem Bau tatsächlich beginnen zu können. Bis dahin darf aber jetzt nichts mehr dazwischenkommen. Wenn alles glatt läuft, räumen wir nach den Konfirmationen 2019 die Kirche. Wir dürfen gespannt sein, ob diese Aussage diesmal eingehalten werden kann.

Mit herzlichen Grüßen,  Bernhard Wielandt, Pfr.           zum Anfang


Eintrag 1, Kalenderwoche 10/ 2018

Nun ist es endlich fällig! Immer wieder werde ich angesprochen, wie es mit den Planungen zu unserem großen Bauvorhaben steht. Ich kann die Ungeduld und das ehrliche Interesse hinter den Fragen verstehen. Mir ist auch klar, dass ein so großes Projekt, das aus Kirchensteuermitteln finanziert wird, eine gute Öffentlichkeitsarbeit zwingend nötig macht. Denn schließlich sollen sich ja alle Gemeindemitglieder (und alle Sandhäuser) nach ihrer Fertigstellung mit den neu geschaffenen Räumen und der frisch renovierten Christuskirche identifizieren können.

Und gleichzeitig merke ich, dass es im bisherigen Planungsprozess immer wieder zeitliche Verschiebungen, nötige inhaltliche Umstrukturierungen und personelle Neubesetzungen gibt, die es schwierig machen, konkrete Aussagen zu treffen. Der Weg zum neuen Gemeindezentrum ist so komplex und der Planungsstand in manchen Bereichen noch so unkonkret, dass ich befürchte, bei all zu plakativen Aussagen mich im Nachhinein immer wieder relativieren oder für eine Fehlinformation entschuldigen zu müssen. In dieser Unsicherheit bin ich schon länger am überlegen, wie ich dem berechtigen Anliegen nach Information gerecht werden kann, ohne ungewollt zu oft für Verwirrung zu sorgen.

Die Form, mit der ich mich diesem Dilemma konstruktiv stellen möchte, sind Sie gerade im Begriff zu lesen: In diesen Tagebucheinträgen will ich in den nächsten Wochen und Monaten auf dem Weg zum fertigen Gemeindehaus Schritt für Schritt über den Stand des Planungsprozesses und über einzelne Details berichten. Lieber gebe ich Einblicke in einzelne feststehende Details, als dass ich Aussagen über das große und ganze irgendwann revidieren muss. Vielleicht gelingt es so, Sie auf dem Laufenden und die Spannung hoch zu halten, sowie Ihr Interesse zu würdigen und die Vorfreude miteinander zu teilen.

Mit herzlichen Grüßen,  Bernhard Wielandt, Pfr.            zum Anfang