geschrieben von Bernhard Wielandt, Pfr.

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Eintrag 5, Kalenderwoche 16/ 2018

Die Geschmäcker sind verschieden. Und weil das so ist, brauchen wir nun eine neue Restauratorin. Aber erst mal der Reihe nach: Wenn man ein denkmalgeschütztes Gebäude renovieren will, ist es Vorschrift, einen Restaurator oder eine Restauratorin einzuschalten. Diese baufachlichen Spezialisten untersuchen, welche ursprüngliche Fassung und welche Bearbeitungsschichten ein Gebäude aufweist. In unserem Fall sind das schon einige. Nur bezogen auf die Farbgebung kann man grob vier Fassungen voneinander unterscheiden:

  1. Da gibt es die ursprüngliche Ausmalung im neugotischen Stil aus dem Jahr 1866 mit bemalten Sockelzonen und floralen Rankenmalereinen entlang der Fester und an der Decke.
  2. Eine erste Überarbeitung im Jugendstil kam 1912 dazu: In dieser Zeit erhielten u.a. die beiden Wandflächen rechts und links neben dem Altarraum schwebende Engel mit Spruchbändern.
  3. All diese farbenfrohen Elemente hat man 1966/67 komplett in einheitlichem Weißton übermalt. Man hatte sich wohl satt gesehen an der Farbenpracht und baute auf schlichter Klarheit, die den Innenraum der Kirche sicherlich enorm aufgehellt hat. Komplettiert wurde diese nüchterne Farbgestaltung durch eine eingezogene Faltdecke in dunkel gebeiztem Holz und einen rötlich marmorierten Steinfliesenboden.
  4. Der letzte große Eingriff betraf erneut die Wandgestaltung: Auf die weiß getünchten Einheitsflächen wurde 1983 um die Fenster und den Altarbogen eine Rankenmalerei nach altem neugotischem Vorbild aufgetragen. Die Sockelbereiche jedoch blieben deutlich zurückhaltender gestaltet, als das bei der ursprünglichen Bemalung der Fall war. Schon diese Nachbildung stützte sich auf umfangreiche restauratorische Farbuntersuchungen.

Auch wir müssen uns überlegen, wie die Kirche künftig innen aussehen soll. Darum wurde auch im Vorfeld der anstehenden Innensanierung eine Restauratorin beauftragt, die Historie der Kirche darzustellen und eine Empfehlung auszusprechen, wie mit den verschiedenen Gestaltungsvarianten umgegangen werden könnte. Und siehe da: In ihrem Exposé empfahl sie uns, die Farb- und Formgebung der 60er Jahre beizubehalten. Erstens einmal sei diese Fassung auch durch die vorhandenen Elemente wie Altar, Taufstein, Bänke, Decke und Emporenbrüstungen am besten bezeugt. Und zweitens seien die restlichen Zeugnisse der neugotischen Fassung von 1866 zu sehr beschädigt und eine Wiederherstellung zu teuer. Durchaus nachvollziehbar.

Nun hatten wir uns jedoch bereits im Planerteam und im Kirchengemeinderat darauf verständigt, dass wir die Zwischendecke entfernen wollen, wenn es eine Idee gibt, wie man mit den vorhandenen Beschädigungen sinn- und stilvoll umgehen könnt. Dahingehend fragten wir bei der betreffenden Restauratorin an, ob sie uns auch nach dieser Grundsatzentscheidung gegen ihr Votum weiter mit ihrer Fachkenntnis begleiten will. Sie hat höflich abgelehnt. Sie akzeptiere unsere Entscheidung, könne aus denkmalethischen Gründen das Projekt aber leider nicht weiter betreuen. Wir werden uns also nach einem neuen Restaurator umschauen müssen.

Im Übrigen: Der zuständige Vertreter des Denkmalschutzes stufte die in der Kirche vorhandene Farb- und Formgebung aus den 60iger Jahren nicht als denkmalwürdig und schützenswert ein. Geschmäcker sind eben verschieden.

Mit herzlichen Grüßen, Bernhard Wielandt, Pfr.                zum Anfang

 

Eintrag 4, Kalenderwoche 15/ 2018

„Wer Gott dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut.“ So singen wir in einem alten Kirchenlied und erinnern uns dabei an das Ende der Bergpredigt Jesu. Dort vergleicht Jesus einen frommen und gottesfürchtigen Menschen mit jemandem, der sein neues Haus auf Fels statt auf Sand baut (Mt 7, 24-27). Nun hat man in Sandhausen keine andere Chance. Der alte Flugsand ist nunmal allgegenwärtig – auch auf dem Kirchbuckel. Um die Gründung der neu geplanten Gebäudeteile rund um die Kirche richtig auslegen zu können, wurde im Februar ein neues Bodengutachten erstellt, dessen Ergebnisse nun vorliegen. Mit leichten und schweren Rammsonden wurde an fünf verschiedenen Stellen auf dem Kirchgelände die Bodenbeschaffenheit untersucht. Bis zu 5 Meter in die Tiefe wurde die Sonde jeweils eingerammt, um mittels des gewonnenen Bohrkerns Aussagen über die Standfestigkeit künftiger Anbauten treffen zu können. Und wen wird es überraschen: Gefunden wurde Sand, nichts als trockener, schwach bis mittel verdichteter Sand. In einer ersten Schicht von ein bis zwei Meter Tiefe findet sich angeschüttetes Material, das sich von seiner Qualität nicht von der tieferen etwas stärker verdichteten Schicht des ursprünglichen Bodens unterscheidet. Auf diesem Boden lässt sich belastbar bauen, wenn man die örtlichen Begebenheiten beachtet. Das wird Ortsansässige wenig überraschen. Interessant waren jedoch auch die Ergebnisse der vier verschiedenen Baggerschürfe, die im Rahmen des Gutachtens zur Untersuchung der vorhandenen Kirchenfundamente gemacht wurden. Auf beiden Seiten des Kirchenschiffs wurde jeweils an zwei Stellen bis zu 2,6 Meter tief gegraben. An allen vier Stellen zeigte sich das Fundament aus Sandstein unversehrt. Also auch ein altehrwürdiges Gebäude kann auf Sandboden 150 Jahre standhalten, wenn es richtig gegründet ist. Das macht Mut für alles, was wir in unserer heutigen Zeit anfügen.

Der Ingenieur, der die Messungen durchgeführt hat, hatte übrigens seine eigene Theorie darüber, woher die Christuskirche ihre Risse hat: Aufgrund der exzellenten Wasseraufnahme des Bodens und der rollenden Eigenschaften der Sandkörner läuft ein Gebäude hier immer Gefahr, bei schlechter oder fehlgeleiteter Entwässerung unterspült zu werden. Da die Abläufe der Dachentwässerung der Kirche schon seit Jahren schadhaft sind, einzelne Rohre sogar frei liegen, sei eine Unterspülung des Fundamentes durchaus im Rahmen des Möglichen.

Ob seine Theorie stimmt oder nicht: Wir haben beschlossen, mit der nötigen Entwässerung des neuen Gebäudes auch die alte Dachentwässerung komplett zu sanieren. Hoffen wir, dass damit die Gefahr verringert ist, dass die Risse an der Christuskirche größer werden.

Mit herzlichen Grüßen, Bernhard Wielandt, Pfr.                zum Anfang

 

Eintrag 3, Kalenderwoche 13/ 2018

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Diese Haltung, die auch Stalin zugesprochen wird, begegnet mir sonst bei den Kontakten mit Institutionen und kirchlichen Entscheidungsebenen. Vor allem, wenn es um Geld geht, um viel Geld. Bei der Kostenverteilung unseres Bauprojektes erleben wir als Gemeinde in einem Punkt eine überraschende Ausnahme von der Regel: Die finanziell mitverantwortliche „Evangelische Stiftung Pflege Schönau“ (ESPS) hat bereits zu Beginn der Planungsphase bei der Sortierung der Zuständigkeiten und Befugnisse erklärt, dass sie unserer Kirchengemeinde das Recht (und die Pflicht) der Bauherrin allumfänglich und vorbehaltlos zugesteht. Das ist umso bemerkenswerter, als es diesen Fall bisher so noch niemals gegeben hat. Bei bisherigen Bauvorhaben, in denen die Last der Bauunterhaltung auf der ESPS ruhte, hat bei allen Planungsschritten eine Vertreterin oder ein Vertreter die Interessen der Stiftung beobachtet. Uns wird hingegen zugestanden, dass wir auch in den Bereichen frei entscheiden können, die finanziell zu Lasten der Stiftung gehen. Das ist in der Tat – selbst in kirchlichen Kreisen, wo man es mit der Finanzaufsicht lange Jahre nicht immer ganz so ernst genommen hat – ein großer Vertrauensvorschuss.

Zum Hintergrund muss man wissen, dass die Christuskirche zwar Eigentum der Kirchengemeinde ist. Das Gelände, auf dem sie steht, ist aber weiterhin Grund der ESPS. Uns ist also die freie Nutzung zu Zwecken der Gemeindearbeit zugestanden. Darum dürfen wir auch das neue Gemeindehaus auf diesem Grundstück realisieren. Zudem trägt die ESPS aber auch wesentliche Kosten zur Instandhaltung des historischen Gebäudes. Im rechtsgültigen „Baubeschrieb“ zwischen der Stiftung und der Kirchengemeinde sind die gegenseitigen Pflichten detailliert beschrieben. Dort heißt es:

„Nach dem für die Christuskirche bestehenden Baulastenbeschrieb sind wir als Rechtsnachfolgerin des Unterländer Evangelischen Kirchenfonds baupflichtig zur Kirche mit Inngebäude (Kanzel, Altar, Gestühl), Turm, Glockenstuhl und Umfassungsmauer der Kirche ohne die 1929 neu erstellte Kirchhofsmauer.

Die Evangelische Kirchengemeinde Sandhausen trägt die Baupflicht für das im Jahr 1960 auf Kosten der Kirchengemeinde erstellte und an die Kirche angebaute Sakristeigebäude, den Taufstein, die Orgel, die Glocken, die Außenanlage, die 1929 neu erstellte Einfriedigung. Die Fronpflicht der Kirchengemeinde beträgt 8 %.

Darüber hinaus sind die Kosten für gewünschte Einbauten (Schränke, Garderobe, usw.), Liedanzeige, Lesepult / Ambo, Kerzenleuchter, Altarkreuz, Bankauflagen, Sauberlaufmatten von der Kirchengemeinde zu tragen.

Im Bereich der neuartigen Baubedürfnisse (Heizung, Schutz- bzw. Vorverglasungen, Beleuchtungskörper, Wärmedämm-Maßnahmen, Windfänge, Beschallungsanlagen, Toiletten-Anlagen sowie Baumaßnahmen zur barrierefreien Erschließung) ist entsprechend §4 der Durchführungsbestimmungen zum Kirchenbaugesetz eine Kostenteilung zwischen uns (60%) und der Kirchengemeinde (40%) vorzunehmen.“

An den künftigen Kosten der Kirchenrenovierung wird sich die ESPS also je nach Gewerk und Zuständigkeit mit 40% bis 92% beteiligen. Das macht die Kostenaufteilung am Ende für die jeweiligen Sachbearbeiter sehr aufwändig. Aber letztlich profitieren wir als Gemeinde in finanzieller Hinsicht gewaltig. Und dann haben wir auch noch große Freiheiten in der Rolle als Bauherrin. Wenn das kein Privileg ist!

Mit herzlichen Grüßen,  Bernhard Wielandt, Pfr.             zum Anfang

Eintrag 2, Kalenderwoche 11/ 2018

Zeit ist relativ – hat mal ein schlauer Mensch gesagt. Das trifft wohl auch auf Zeitpläne zu, die im Rahmen eines Bauvorhabens entstehen. Nach vagen Aussagen zu Beginn des Planungsprozesses sollte schon im Sommer 2018 mit dem Bau begonnen werden. Wir hatten vom Pfarrbüro aus schon erste Planungen unternommen, wie wir die Zeit ohne eigene Kirche überbrücken könnten: Von der katholischen Schwestergemeinde vor Ort wurde in aller ökumenischen Gastlichkeit signalisiert, dass wir gerne in den beiden katholischen Kirchen zu Gast sein dürften. Unseren künftigen Brautpaaren haben die Sekretärinnen daher bei der Terminanfrage immer wieder ihr Sprüchlein aufgesagt, dass wir nach alternativen Trauorten suchen müssten. Für die Trausaison im Sommer 2018 war denn auch fast schon alles geplant und Ausweichorte jeweils festgelegt. Doch dann kam der vorübergehende Planungsstopp. Nur soviel vorweg: Dieser ist inzwischen wieder aufgehoben. Trotzdem hat uns diese Phase in den nötigen Vorklärungen viel Zeit gekostet.

Was war passiert? Die Finanzverwaltung im EOK wollte von unserem Verwaltungs- und Serviceamt haarklein vorgerechnet bekommen, ob wir uns ein neues Gebäude überhaupt auch mittelfristig im Unterhalt leisten können. Im Hintergrund spielt natürlich auch der Umstand eine Rolle, dass wir wegen der Unwägbarkeiten bis zum Abschluss unseres Gebäudeoptimierungsprozesses im Haushaltssicherungsverfahren der Landeskirche stecken. Dieses besagt, dass die Gemeinde bei absolut desaströser Haushaltslage von landeskirchlichen Mitteln gestützt wird. Damit es aber zu so einer Schieflage gar nicht erst kommt, unterstehen wir dem Argusauge einer scharfen Finanzkontrolle. Nebenbei bemerkt: Dieser Umstand ist nicht nur Last. Er hat auch Vorteile: Zum Beispiel ist die Bezuschussung der Baukosten für uns auf dieses Weise um 10% höher.

Was sind die finanziellen Risiken? Zum einen fließen unsere Rücklagen in den Neubau. Dadurch haben wir für den laufenden Haushalt keine Zinsen mehr. (Die Geldanlage kirchlicher Körperschaften ist aufgrund von Altverträgen einer langfristigen Geldpolitik bisher immer noch profitabel.) Und zum anderen müssen für ein deutlich hochwertigeres Gebäude künftig über die jeweils aktuellen Haushalte Zins und Tilgung erwirtschaftet werden. Durch diese Problemstellungen ergibt sich ein kompliziertes Rechnungswerk, das einige Zeit und Überlegung bedurfte. Erst nachdem wir aus dieser Richtung ein kalkulierbares Risiko signalisiert bekommen hatten, durften wir von der bisherigen Grobplanung in die Entwurfsplanung übergehen.

Und schon war wieder ein halbes Jahr ins Land gezogen. Zeit ist eben relativ. Der aktuelle Rahmenterminplan gibt das Ziel vor, ab Mai 2019 mit dem Bau tatsächlich beginnen zu können. Bis dahin darf aber jetzt nichts mehr dazwischenkommen. Wenn alles glatt läuft, räumen wir nach den Konfirmationen 2019 die Kirche. Wir dürfen gespannt sein, ob diese Aussage diesmal eingehalten werden kann.

Mit herzlichen Grüßen,  Bernhard Wielandt, Pfr.           zum Anfang

Eintrag 1, Kalenderwoche 10/ 2018

Nun ist es endlich fällig! Immer wieder werde ich angesprochen, wie es mit den Planungen zu unserem großen Bauvorhaben steht. Ich kann die Ungeduld und das ehrliche Interesse hinter den Fragen verstehen. Mir ist auch klar, dass ein so großes Projekt, das aus Kirchensteuermitteln finanziert wird, eine gute Öffentlichkeitsarbeit zwingend nötig macht. Denn schließlich sollen sich ja alle Gemeindemitglieder (und alle Sandhäuser) nach ihrer Fertigstellung mit den neu geschaffenen Räumen und der frisch renovierten Christuskirche identifizieren können.

Und gleichzeitig merke ich, dass es im bisherigen Planungsprozess immer wieder zeitliche Verschiebungen, nötige inhaltliche Umstrukturierungen und personelle Neubesetzungen gibt, die es schwierig machen, konkrete Aussagen zu treffen. Der Weg zum neuen Gemeindezentrum ist so komplex und der Planungsstand in manchen Bereichen noch so unkonkret, dass ich befürchte, bei all zu plakativen Aussagen mich im Nachhinein immer wieder relativieren oder für eine Fehlinformation entschuldigen zu müssen. In dieser Unsicherheit bin ich schon länger am überlegen, wie ich dem berechtigen Anliegen nach Information gerecht werden kann, ohne ungewollt zu oft für Verwirrung zu sorgen.

Die Form, mit der ich mich diesem Dilemma konstruktiv stellen möchte, sind Sie gerade im Begriff zu lesen: In diesen Tagebucheinträgen will ich in den nächsten Wochen und Monaten auf dem Weg zum fertigen Gemeindehaus Schritt für Schritt über den Stand des Planungsprozesses und über einzelne Details berichten. Lieber gebe ich Einblicke in einzelne feststehende Details, als dass ich Aussagen über das große und ganze irgendwann revidieren muss. Vielleicht gelingt es so, Sie auf dem Laufenden und die Spannung hoch zu halten, sowie Ihr Interesse zu würdigen und die Vorfreude miteinander zu teilen.

Mit herzlichen Grüßen,  Bernhard Wielandt, Pfr.            zum Anfang